So kann’s gehen : Wie stelle ich die Musik ab?

Elisabeth Binder

Vor kurzem waren wir zum ersten Mal bei einem anderen Paar zum Kaffee eingeladen. Im Hintergrund lief U-Musik. Mein Mann, der nur klassische Musik mag, bat ziemlich bald und, wie ich fand, etwas ungeduldig, die Musik doch abzustellen. Ich fand, dass er damit das Ehepaar brüskierte und lieber die wenigen Stunden Musik hätte in Kauf nehmen sollen.

Die meisten Gastgeber legen großen Wert darauf, dass ihre Gäste sich bei ihnen wohl fühlen und unternehmen deshalb auch besondere Anstrengungen. Wer weiß, vielleicht hat das Paar vorher gemeinsam überlegt, mit welcher Musik man Ihnen eine Freude machen könnte. Vielleicht wollten sie ihre Wohnung für Sie mit einer Klangtapete schmücken und legen selber gar nicht so viel Wert auf Dudeleien im Hintergrund. In dieser Hinsicht ist Ihre Sorge unter Umständen berechtigt, dass die beiden enttäuscht waren, ihre Anstrengungen so wenig gewürdigt zu sehen. Andererseits würde ich als Gastgeberin offene Worte immer schätzen. Man gibt sich so viel Mühe, wie möglich, aber man kann ja auch nicht alles wissen. Wenn mir also jemand sagt, dass ihn Hintergrundmusik nervös macht, würde ich das für die nächsten Male notieren und wäre froh, dass der arme Mann nicht mit angespannten Nerven gewartet hat, bis die Kaffeestunde endlich vorbei ist.

Auch hier gilt: Der Ton macht die Musik. Man kann ja ganz freundlich sagen, dass man selber ein Klassik-Fan ist, aber bitte ohne zu implizieren, dass klassische Musik was Feineres ist als U-Musik und man als Klassik-Liebhaber also auch ein besserer Mensch ist. Am besten, man entschuldigt sich damit, dass man sich von Hintergrundmusik dummerweise immer ablenken lässt. Oder man fragt, ob auch klassische CDs vorhanden sind. Damit schafft man nebenbei auch noch zusätzlichen Gesprächsstoff und die Möglichkeit, weitere gemeinsame Interessen zu entdecken.

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