So kann’s gehen : Wie viele Bussis dürfen es sein?

Immer wieder sonntagsfragen Sie Elisabeth Binder

Elisabeth Binder

Fast bei jeder Begrüßung mit Freunden stellt sich die Frage, auf welche Wange man zuerst küsst, um peinliche Zusammenstöße zu vermeiden. Ein Küsschen, auf jede Wange eins, oder insgesamt drei? Und welche Seite kriegt den Vorzug der zwei Bussis?

Das ist ein Problem, weil einheitliche Regeln fehlen. Es geht ja schon los, wenn man jemanden trifft, der ein einzelnes Bussi jeweils auf die rechte oder linke Wange für ausreichend hält. Wenn man dann selber gerade gut im Schwung ist und auch noch die andere Wange mit den Lippen sucht, kann es schon mal zu Verwirrung kommen. „Oh, gleich zweimal!“ In solchen Situationen fühle ich mich selber peinlich berührt, weil offenbar deutlich zu überschwänglich. Wenn man beim nächsten Mal dann einen Einzelkuss auf die Wange des Gegenübers haucht und den Kopf schnell zurückzieht, steht man unter Umständen als kalte Persönlichkeit da, weil ein Doppelbussi erwartet wurde. Das Bussi-Wesen ist ja noch nicht so alt in Deutschland, und das hat wahrscheinlich einen guten Grund. Wir wollen alles immer genau richtig und supergründlich machen. Deshalb kommt es hier wohl auch öfter zu Verwicklungen.

Grundsätzlich würde ich denken, wenn schon Bussi, dann auch gleich die doppelte Dröhnung und zwar zuerst auf die rechte Wange und dann auf die linke. Wobei angedeutete Luftküsse praktischer sind als echte Schmatzer, weil sie das Make up nicht gleich zerstören und nicht so eine gute Brücke für Keime bauen. Da man Verwirrungen nicht aus dem Wege gehen kann, ist es gut, ein paar Sprüche auf Lager zu haben, um peinliche Situationen charmant zu entschärfen. Setzt also jemand zum dritten Bussi an, während Sie selber im Bewusstsein fröhlich erfüllter Pflicht nach dem zweiten schon den Kopf eingezogen haben, sagen Sie zum Beispiel: „Oh, wie nett, Du wählst die herzliche mediterrane Variante.“

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