So kann’s gehen : Wie wehre ich die Tätschler ab?

Elisabeth Binder

Ich bin im siebten Monat schwanger, das ist nicht zu übersehen. Nun meint jeder, meinen Bauch ungefragt betätscheln zu können, gerne mit der rhetorischen Frage: „Na, schläft wohl gerade?“ Ich möchte nicht immer gleich untersucht werden, ich tatsche andere ja auch nicht ab. Wie kann ich darauf hinweisen?

Bei manchen Fragen gruselt’s mich richtig angesichts der Abgründe schlechten Benehmens, die sich da auftun. Das ist auch bei dieser der Fall. Schon im Normalfall gilt, dass man die Intimsphäre eines anderen Menschen mit einem Mindestabstand achten sollte. Berührungen jenseits eines Händedrucks oder der modernen Bussi-Umarmung sind nur unter einander sehr vertrauten Freunden und Familienmitgliedern erlaubt. Komischerweise fühlen sich unsensible Menschen immer dort zum Tätscheln ohne vorherige Erlaubnis eingeladen, wo sie besonders schutzwürdigen Leuten begegnen, also zum Beispiel Kindern oder auch Schwangeren. Dieser Impuls rührt wahrscheinlich aus einer tief sitzenden Sehnsucht, Anteil zu haben am Schicksal anderer Menschen, eingeweiht zu sein, dazu zu gehören. Das ist sehr menschlich und wäre akzeptabel, wenn die Betroffenen ihre grauen Zellen in Gang setzten, bevor sie die Hand zum Grapschen erheben. Würde man seinen Chef tätscheln? Die Lehrer der Kinder? Die Polizistin? Natürlich nicht. Dann kann, soll man es auch lassen bei einer schwangeren Frau.

Viel mehr Anteilnahme bringt man zum Ausdruck, wenn man zeigt, dass man sich in sie hineinversetzen kann: dass es unangenehm ist, wenn jeder auf den Bauch patscht. Wie Sie sich wehren können? Durch glasklare Offenheit. Sobald jemand die Hand in eindeutiger Weise erhebt, sagen Sie einfach: „Bitte nicht anfassen. Das vertrage ich im Moment schlecht.“ Auch bei bereits bekannten notorischen Tätschlern helfen unmissverständliche Hinweise: „Das mag ich gar nicht“, ist freundlich genug.

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