So kann’s gehen : Wie werde ich allein eingeladen?

Elisabeth Binder

Vor einiger Zeit habe ich meinen Mann verloren. Kürzlich haben Bekannte, die uns früher zu zweit eingeladen haben, gefeiert, ohne mir Bescheid zu geben. Ich würde bestimmt nicht mit Trauermiene die Stimmung verderben und möchte nicht für den Rest meines Lebens allein zu Hause sitzen. Wie kann ich das signalisieren?

Man sollte denken, in einer modernen Gesellschaft kommt so was nicht vor. Leider ist Ihre Frage nicht die einzige, die zeigt, dass im Umgang mit Trauernden immer noch viele grausame Fehler gemacht werden. Ich nehme mal an und hoffe, dass diese Fehler aus Unsicherheit begangen werden und nicht aus böser Absicht. Es ist doch schließlich ganz klar, dass Menschen, die einen solchen Verlust erlebt haben, anfällig sind für Einsamkeit und jede Unterstützung brauchen können. Natürlich muss man jemanden in der allerersten Phase der Trauer nicht mit Einladungen überhäufen. Aber nach ein paar Monaten wäre es sicher freundlich, der oder dem Trauernden wenigstens die Chance zu geben, einer Einladung Folge zu leisten, wenn ihm danach ist, mal wieder unter Menschen zu sein. Wenn nicht, kann er ja sagen, dass es noch ein bisschen früh ist. Sollte die heimliche Angst eine Rolle spielen, da könne sich jemand dämpfend auf die zum Anlass gewünschte Fröhlichkeit auswirken, wird sich gerade das nachteilig auf die Stimmung auswirken, weil unbedingt gewollte Fröhlichkeit eben auch was Krampfiges hat.

Sie könnten Bereitschaft signalisieren, indem Sie zum Beispiel an Ihrem Geburtstag ein paar Leute zum Anstoßen zu sich oder in ein Lokal einladen. Das muss keine aufwendige Angelegenheit sein. In dem Zusammenhang könnten Sie auch andeuten, dass Sie Gesellschaft trotz des Verlustes genießen können. Besser aber wäre es, Freunde und Bekannte würden von sich aus drauf kommen.

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