Kultur : So nennt man ihn Prinz

„Zauberflöte“ konzertant mit den Philharmonikern.

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Im Sinne des Erfinders und Textdichters Emanuel Schikaneder sollten 1791 in Wien „die Schauspieler die Ehre haben“, zum ersten Mal „Die Zauberflöte“ aufzuführen. Eine konzertante Aufführung steht in krassem Gegensatz zu dieser theatralischen Absicht. Denn es gilt, mindestens in zweiter Linie, das gesprochene Wort. Ehrenwert, dass Sir Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker die librettistischen Streifzüge im Konzert nicht missen möchten. Aber man müsste versuchen, mit den Textmengen sinnvoll umzugehen. Ihr Vortrag ist nicht leicht.

„So würde ich dir antworten, dass ich aus fürstlichem Geblüte bin“, sagt ein Mann (Tamino) zu einem anderen (Papageno), beide in schwarzen Anzügen auf dem Podium der Philharmonie zwischen Chor und Orchester. Weiter in Frage und langer Antwort: „... darum nennt man mich Prinz.“ Die Ausführlichkeit kennt kaum Grenzen, andererseits jedoch, zumal um die drei Damen der Königin der Nacht, viel Ungereimtes aus der szenischen Deutung in Baden-Baden.

Von ihren ersten dortigen Osterfestspielen kommen die Philharmoniker nach Berlin mit dieser Performance, einer der seltsamsten in der Reihe ungezählter Deutungen der erhabenen, possenhaften, geliebten Mozartoper. Interpretiert wird hier wenig, das Ganze erscheint eher als Produkt einer unbeaufsichtigten Laienspielschar mit professionellen Musikeinlagen.

Der Zauberflötist heißt Emmanuel Pahud, und sein „Zauberton“ steht für das Orchester, klein besetzt, drei Kontrabässe. Der Allegro-Teil der Ouvertüre, sensibel ohne falsches Brio, die Trompeten und Posaunen in den Priesterszenen, der feine Kontrapunkt um den Cantus firmus der Geharnischten sind philharmonische Meisterstücke. Zur kostbaren Besetzung zählen die drei Damen Annick Massis, Magdalena Kožená und Nathalie Stutzmann, drei Aurelius-Sängerknaben Calw, der Rundfunkchor Berlin. Ana Durlovski als Königin beendet eindrucksvoll zurückgenommen „der Mutter Schwur“. Der agile Papageno des Michael Nagy duettiert mit Kate Royal als Pamina ebenso erfolgreich wie mit seiner Papagena Regula Mühlemann. Neben Dimitry Ivashchenkos wohlklingend tragendem Sarastro-Bass und José van Dams Sprecher gefallen zwei Tenöre: Benjamin Hulett als neuer frischer Tamino und James Elliott, weil er die eilige Arie des Monostatos als „Wunderminute“ (Ivan Nagel) singt: „O so mach die Augen zu!“ Sybill Mahlke

Wieder am heutigen Sonntag, 18 Uhr

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