Kultur : So rhythmisch war die galante Epoche

KLASSIK

Ulrich Pollmann

Der Taktstock zieht sie magisch an. Nach Nikolaus Harnoncourt und Frans Brüggen hat mit Ton Koopman ein weiterer wegweisender Barockmusiker den Weg zum modernen Orchester gefunden. Das unterscheidet Alte-Musik-Heroen von „modernen“ Dirigenten: Sie glänzen nicht mit perfekter Dirigiertechnik, tragen aber neben profunder musikwissenschaftlicher Kenntnis die klangliche Transparenz und gestische Vitalität der Barockmusik in die moderne Orchesterkultur.

Musik aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, der „galanten“ Epoche, stellte Ton Koopman mit dem Deutschen Symphonie Orchester in der Philharmonie vor. Stücke, die nicht mehr Bachs und Händels Klangpracht und noch nicht die neue Ausdruckswelt Mozarts und Beethovens bieten. Joseph Haydns frühes Konzert für Violine, Orgel, Streicher ist mit seiner unausgewogenen Solistenbesetzung eher eine Kuriosität; Koopmans Neigung, rhythmischen Antrieb vor melodische Sensibilität zu setzen, ließ das Stück mechanisch wirken. Schöner geriet Michael Haydns B-Dur-Violinkonzert von 1760. Dirigent und Orchester agierten einfühlsam, der Streicherklang atmete. Thomas Zehetmair spielte den Solopart mit hinreißend schlankem Ton und kostete die üppigen Solokadenzen ohne falsches Pathos aus. Die abschließende frühe D-Dur-Symphonie des 16-jährigen Mozart führte geradewegs in die Klassik. Einfache Motive führen zu breiten Steigerungen, ausgreifende Formbildung kündet sich an. Jetzt hätte man gern noch einen späten Mozart gehört.

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