Kultur : Söhnlein brillant

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ALL THAT JAZZ

Christian Broecking über

einen Saxofonisten mit großem Namen

William liegt auf einer Holzbank und schläft. Es ist spätabends, als der zweite Teil des Konzerts beginnt, und William ist erst drei. An diesem Abend stellt Williams Vater, der Saxofonist Ravi Coltrane , dem Publikum der New Yorker „Jazz Gallery“ sein neues Plattenlabel „RKMmusic“ vor. Er spricht von „kreativer Community“ und davon, wie aufregend es sei, wenn die Musiker ihre Musik selbst produzieren. Fünfzig Interessierte drängen sich in dem kleinen Ausstellungsraum, ihr Applaus klingt nach Kernkompetenz und großer Begeisterung. Die Jazz Gallery ist ausverkauft an solchen Abenden und dennoch existenziell bedroht. Sie liegt nur zwei UBahn-Stationen von Ground Zero entfernt, in dieser Gegend läuft abends sonst eigentlich gar nichts mehr.

Vor dreißig Jahren hätte Ravi Coltrane wahrscheinlich in Soho gewohnt, wo die Mieten heute unerschwinglich sind. Dass gerade Jazzmusiker eher in Brooklyn leben, hat aber auch damit zu tun, dass man dort noch üben kann, ohne gleich wegen Ruhestörung angezeigt zu werden. Coltrane wird Mittwoch 38, an seinen zwei Jahre nach seiner Geburt verstorbenen Vater kann er sich nicht erinnern. Anfang der Neunzigerjahre zog Ravi Coltrane nach New York, für ihn ist die Stadt immer noch der ideale Ort, auch wenn gerade wieder mal einige wichtige Live-Jazz-Läden wie das „Smalls“ schließen mussten oder wie die „Knitting Factory“ den Besitzer und das Musikangebot wechselten. „Viele Clubs haben in jüngster Zeit geschlossen, aber es finden sich auch immer neue Locations für spannende Musik. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Probleme hingegen sind kaum noch zu ertragen, seit George Bush hat sich das alles nur verschlechtert“, sagt Ravi Coltrane, der unlängst mit alten Bekannten seines Vaters, Pharoah Sanders und Rashied Ali, im „Village Underground“ aufgetreten ist.

Bei Sony ist kürzlich Coltranes dritte und bislang stärkste CD, „Mad 6“, erschienen. Auf „RKMmusic“ hat er nun die neue CD des Trompeters Ralph Alessi, „This against that“, veröffentlicht, an der auch der Pianist Jason Moran mitgewirkt hat. Auf www.jasonmoran.com kann man schon mal anhören, wie die Moran-Trio-CD „The Bandwagon live at the Village Vanguard“ klingt, die demnächst bei Blue Note erscheint. Moran wohnt in Harlem und überlegt dieser Tage, ob er sich in Berlin ein Ein-Zimmer-Apartment kaufen soll. Allerdings ausnahmsweise mal nicht wegen der Musik, sondern weil er Bauhaus- Stühle sammelt. Und in Berlin will er dann immer ins Bauhaus-Archiv gehen und schauen, was ihm noch so fehlt.

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