Kultur : Soldaten beim Sonnenbaden

Silvia Hallensleben

Damals beim Schiffequartett konnte man mit der "Enterprise" alles ausstechen. Die "Kiev" gab es noch nicht, schließlich waren die Russen außer bei Gagarin immer ein bisschen hinterher. Am 26. 12. 1972 wurde der Flugzeugträger zu Wasser gelassen, das beste Stück der sowjetischen Flotte. Doch seit 1994 lag die "Kiev" in Murmansk zum Verkauf bereit, erst 2000 ging es nach China.

Berlinale 2002 Online Spezial: Internationale Filmfestspiele
Tagesspiegel:
Alle Berichte, Reportagen, Rezensionen
Gewinnspiel: meinberlin.de verlost Filmbücher
Fotostrecke: Ausschnitte aus den Wettbewerbsfilmen
Der österreichische Regisseur Johannes Holzhausen hat die Geschichte der "Kiev" zum Anlass für die Suche nach einer verlorenen Welt genommen. Also haben die Hinterbliebenen das erste Wort, Männer, die mit und auf dem Schiff zu tun hatten, tragische Gestalten, ihrer Geschichte beraubt.

Die Russen billigen auch einem Stahlberg noch eine Seele zu. Von würdevollem Abgang ist die Rede, vom sterbenden Schiff. Zerzauste Flaggen, gefledderte Erinnerungen, ein Marinemaler pinselt das Elend der Nation in allegorische Gestalt. Im Kronstadt holt ein Ex-Kommandant die "Kiev"-Kaffeekanne aus der Schrankwand.

Das Schiff ist verblüffend fotogen. Zum Glück hat einer der Männer das damalige Foto- und Filmverbot gebrochen. Soldaten beim Sonnenbaden. Propagandamaterial: ein Chor, Balalaikas und Trachtenmädchen. Im Gegenschnitt die gerührten Soldaten.

Jetzt wird die "Kiev" von chinesischen Seeleuten durchs Nordmeer geschleppt. Soll sie zu Nägeln verschrottet werden - oder das Schicksal der "Minsk" ereilen, die in Shenzen zum ersten chinesischen Vergnügungspark wurde? "Jetzt kennt sich keiner mehr aus: Haben wir einen Feind oder keinen?" sagt einer der Offiziere.

0 Kommentare

Neuester Kommentar