Kultur : Soli-Zuschlag: Klassikstars kämpfen für Barenboim

Frederik Hanssen

Schön, wenn man sich auf seine Freunde verlassen kann: Aufgeschreckt von den Plänen des Berliner Kultursenators zur Reform der hauptstädtischen Musiktheaterlandschaft hat Staatsopernchef Daniel Barenboim seine Getreuen zusammengetrommelt. Michael Gielen dirigiert ein Protestkonzert der Staatskapelle im Kunsthaus Tacheles, Hans-Dietrich Genscher fordert im Tagesspiegel die Rücknahme der Pläne, Kulturkaufhauschef Peter Dussmann finanziert eine Anzeigenkampagne, in der 44 Künstler an Christoph Stölzl appellieren, keine "gewachsenen Strukturen" zu zerstören. Auch wenn einige Klassik-Stars, die den Aufruf unterschrieben haben, noch nie in der Staatsoper aufgetreten sind, ist ihr Engagement doch ehrenwert. Es tut der guten Sache auch keinen Abbruch, dass in der Annonce behauptet wird, die Opernfusion führe "zur Zerstörung eines Hauses". Zubin Metha, Maurizio Pollini, Placido Domingo und die anderen Unterzeichner schauen von außen auf die Sache; sie können es nicht besser wissen. Fatal ist jedoch, dass auch viele Insider die Probleme verkennen, statt sie zu benennen. Jahrelang war das Gejammer über die autokratischen Berliner Opernlenker groß - kaum jedoch versucht ein Senator, der Misere ein Ende zu bereiten, schreit alles: "Das sind Reichsmusikkammer-Methoden!" Stölzls Papier ist der - zugegeben verzweifelte - Versuch, Sparvorgaben mit der Beseitigung schlechter Traditionen zu verbinden. Sein Problem ist der Bürokratenton des Papiers. Bis jetzt hat keiner begriffen, dass es um ein "Raumklang-Konzept" geht: In jedem Haus sollen die Werke aufgeführt werden, die musikalisch, also auch akustisch am besten dorthin passen. Welche das sind, bestimmen natürlich die künstlerischen Leiter. Auch Stölzls Idee, zwei autonome Orchester zwischen den Spielstätten pendeln zu lassen, damit beide weiterhin Mozart und Wagner spielen können, verknüpft Respekt vor der Geschichte mit nötiger Flexibilisierung. Nur wenn alle Betroffenen ihre Kräfte jetzt dafür verwenden, gemeinsam den verträglichsten Reformweg zu suchen, könnte es am Ende mit Lampedusa heißen: "Manchmal muss sich alles ändern, damit es so bleiben kann, wie es ist."

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