Kultur : Solo für Sklavin

Christoph Funke

Wieder einmal: die Geschichte einer Ehe. Heftig, krass und wirkungsvoll, fast ohne Zwischentöne. Was der Belgier Walter van den Broeck, Jahrgang 1941, in seinem Monolog "Amanda" aufgeschrieben hat, verzichtet auf Irritationen und kommt ohne raffinierte psychische Wendungen aus. Ein sattes Solo für die Schauspielerin Eva Renzi: Es gibt kein Geheimnis um Unsagbares, keine nervöse Unruhe um die offenen Enden einer intimen Beziehung, Schuld und Sühne liegen klar auf der Hand.

Was erzählt wird, mutet altmodisch an: Irgendwo in Lateinamerika erduldet es eine kluge, schöne, reiche Frau, zur Edelsklavin eines sexbesessenen, wirkungsmächtigen Mannes gemacht zu werden. Unter der pathologischen Eifersucht des Potenten leidend, ergibt sich Amanda über 25 Jahre lang in ihr Schicksal. Sie ist es zufrieden, die vorbildliche Mutter, Hausfrau und edle Gesellschaftsdame im komfortablen Wohlstands-Gefängnis sein zu dürfen. Als sie endlich eine eigene Entscheidung gegen den tobenden Herrn und Meister wagt, erliegt der seiner Raserei und sinkt entseelt zu Boden.

So melodramatisch das klingt, so melodramatisch ist es auch. Walter van den Broeck bevorzugt die starken, leuchtenden Farben, stellt seiner Amanda eine engelsgleiche Hure und ein bitterarmes schwangeres Dienstmädchen an die Seite, während den durchaus legitimen Töchtern keine Aufmerksamkeit geschenkt wird. Am Ende startet der Dramatiker zu einem abenteuerlichen Krimi durch, der nun endlich auch soziale Konflikte ins Spiel bringen soll, aber in der Kolportage stecken bleibt.

Immerhin, dieser Monolog ist Kraftfutter für jede Schauspielerin, die sich der sehr kräftigen Geschichte rückhaltlos zu stellen weiß. Eva Renzi beweist das eindrucksvoll, weil sie in den ehrlichen, offenen Bericht der unterdrückten Ehefrau eine trotzige Selbstbehauptung einbaut. Sie hat den Mut, dabei ihren Körper einzusetzen als erotisches Reiz- und Beweismittel, sie lässt keinen Zweifel daran, warum Amanda gerade im Schlafzimmer Rechenschaft ablegt. Es ist ein Spiel mit Hand und Fuß, beim Aus- und Anziehen und mit viel Verrichtungen an Schminktischen angesichts des raumfressenden Bettes.

Leider nur hat sich Regisseur Kurt Lutz (verantwortlich auch für Bühnenbild, musikalischen Rahmen, Licht) in das Prunkende verliebt, er schont Kerzen nicht und Fackeln, erdrückt seine Darstellerin mit einem wuchtigen Interieur, in dem alles aufwändig gediegen und gewichtig wirklich zu sein hat. Der Schauspielerin ist damit nur wenig Gelegenheit gegeben, ins Leise, ins Fragende, ins Zweifeln und Grübeln zu kommen. Eva Renzi hätte durchaus die Fähigkeit, nicht nur auszudeuten, sondern auch anzudeuten. Ihre völlige Hingabe an die Amanda aber, bis zur körperlichen Erschöpfung im rückhaltlosen Nachleben der Katastrophe, verdient Respekt - und hätte im Meistersaal, Köthener Straße, mehr Zuschauer verdient gehabt.

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