Kultur : Solomon R. Guggenheim Museum: Ein Walfisch am Ufer des East River

Matthias Mochner

Er sei "in der glücklichen Lage", hat Frank O. Gehry unlängst gesagt, "auch mal Nein zu einem Auftraggeber sagen zu können". Dies dürfte öfter geschehen, zählt der in Los Angeles lebende Architekt doch zur Elite seines Fachs. Gehrys Bauten genießen Weltruhm, ihre Formensprache erreicht die Menschen.

Eine Stadt, für die der 1929 in Toronto geborene Architekt zu bauen bereit ist, darf sich - sein neues Guggenheim Museum in Bilbao zeigt es - auch aus touristischer Perspektive glücklich schätzen. Nun hat Gehry New York sein Jawort gegeben, an der Südspitze von Manhattan das bisher größte Guggenheim Museum der Welt zu errichten. Es ist das dritte Museum, das die 1937 gegründete, weltweit tätige Solomon R. Guggenheim Foundation in New York initiiert. Die Dimensionen des geplanten Projektes werden selbst die des Metropolitan Museum - immerhin das viertgrößte Museum der Welt - in den Schatten stellen.

Zwischen 1943 und 1959 wurde das spiralförmige Stammhaus der Guggenheim Foundation an der 5th Avenue durch Frank Lloyd Wright errichtet. 1992 folgte mit der Umgestaltung eines Lagerhauses am Broadway durch den Japaner Arata Isozaki das Guggenheim Museum Soho. Nun baut Gehry für Thomas Krens, seit 1988 Direktor des Guggenheim-Imperiums. Das Motto des Architekten: "Wenn ich die Leute mag, mache ich es - wenn nicht, lasse ich es sein." Krens war es auch, der beim Guggenheim Museum Bilbao die Basken von der Symbolwirkung eines Neubaus überzeugte und Gehrys Entwurf favorisierte.

Die Ausstellung "Project for a New Guggenheim in New York City" im Guggenheim am Central Park präsentiert derzeit Gehrys neues Museumsprojekt. New York, so lautet die Botschaft, benötigt ein Architekturdenkmal außergewöhnlichen Zuschnitts. Bei geschätzten Baukosten von 1,6 Milliarden Mark soll das am Wasser gelegene Museum jährlich bis zu drei Millionen Besucher anziehen und 6000 neue Arbeitsplätze schaffen. Mit über 50 000 Quadratmetern wird es mehr als doppelt so viel Ausstellungsfläche bereitstellen wie das Haus in Bilbao. Dazu kommen 25 000 Quadratmeter Parkanlagen am Ufer des Eastrivers. Allesamt Ziffern, die das Maß bisheriger Museumsbauten sprengen. Selbst die so genannte Schiffsgalerie im Museum in Bilbao, die mit 137 Metern länger ist als ein Fußballfeld, wirkt vergleichsweise moderat. Mit dem gigantischen Bau soll in den nächsten drei Jahren begonnen werden.

Das Modell des dritten Guggenheim Museums wirkt wie eine Bilbao-Kopie. Auch hier spielt die Architektur mit dem sie umgebenden Raum. Gleich einem ans Ufer geworfenen Walfisch türmt sich der Bau über ehemaligen Schiffsanlegestellen vor den Wolkenkratzern. Deren Vertikalität kontrastiert mit dem Ungetüm, das sich wie ein Wellenberg vor den Stadtschluchten erhebt.

Mit der Bau-Entscheidung darf sich New York glücklich schätzen. Die extravaganten Formen dieses Gebäudes aus Beton, Glas, Stahl, Stein und Titan werden Besucher in Massen anlocken. Doch nimmt die Stadt damit auch die große Verpflichtung auf sich, das Haus mit adäquatem Inhalt zu füllen.

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