Sommer der KUNST : Das beste aller Örtchen

Kuratoren erklären, was man sehen muss und was nicht

Was hat Sie am meisten geärgert?

Ich finde es wirklich sehr schade, dass der Besucher der Documenta nicht die Chance hat, in den Hochgenuss der molekularen Kochkünste von Ferran Adrià zu gelangen. Meines Erachtens soll Documenta Unmögliches möglich machen. Nicht bei Adrià essen können wir alle Tage.

Worüber haben Sie sich besonders gefreut?

Sehr erfrischend finde ich die Skulpturenprojekte in Münster. Dort spürt man, dass zeitgenössische Künstler arbeiten konnten und gearbeitet haben, ihre Energie ist allgegenwärtig. Münster 07 macht die Chancen, die Geschichte und auch die Beschränkungen von Kunst an einem sehr spezifischen öffentlichen Ort deutlich. Und der Düsseldorfer Künstler Hans-Peter Feldman liefert das beste aller möglichen „Örtchen“ dazu.

Welche Entdeckung haben Sie gemacht?

Die Entdeckung des Sommers war für mich Manon de Boer. Die belgische Künstlerin, die auch auf der Biennale Venedig zu sehen war, schafft Filme, über die man noch lange, nachdem man sie gesehen hat, nachdenken muss und die man gleich noch einmal sehen möchte. In einem ihrer Filme „Perfect Sound“ lauscht man der perfekten Aufnahme eines Geigers und sieht zunächst nur unmerklich, wie die Filmaufnahme des spielenden Virtuosen sachte ruckt, versetzt und gestückelt ist. Manon de Boer macht hier die gängige Praxis der Musikproduktion sichtbar, vielfache takes eines Stückes aufzunehmen, um die perfekte Version, den perfect sound zusammenzuschneiden. Der „Perfect Sound“ wird vom Bild als konstruiertes Ideal vorgeführt.

Susanne Pfeffer (33) leitet als Kuratorin seit Jahresbeginn die Kunst-Werke in der Auguststraße. Gegenwärtig ist dort ihre erste Ausstellung zu sehen: Malerei von Joe Coleman (bis 12. 8.).

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