Kultur : Sommerauktionen bei Christie’s und Sotheby’s

Es ist eindeutig: Die Sammler heben sich ihre Bilder für bessere Zeiten auf. Einiges kommt dennoch auf dem Markt.

Matthias Thibaut

Den Hauptkampf in den Londoner Sommerauktionen werden sich zwei Musketiere liefern. „Homme à l’épée“ heißen sie beide, der 88-jährige Picasso malte sie hintereinander im Juli 1969, dann wurden sie im Palais de Papes in der Ausstellung des Spätwerks gezeigt, das die meisten Kunstfreunde davon überzeugte, dass der alte Picasso seinen künstlerischen Verstand verloren hatte. Heute sehen wir das anders. Picasso wurde mit diesen Bildern der Urvater einer Generation wilder Maler, und sie sind heiße Auktionsware geworden. Das größere Format kostet bei Christie’s fünf bis sieben Millionen Pfund. Sotheby’s Musketier ist mit sechs bis acht Millionen Pfund höher angesetzt. Sotheby’s hat sogar schon einen Bieter, der die Abnahme garantiert.

Aber warum sind die Londoner Auktionskataloge schon wieder so spärlich? „Die meisten Sammler wollen nicht verkaufen“, erklärt Sotheby’s-Expertin Helena Newman. Sie steht vor einem schönen Blumenstrauß von August Macke, für den es dann doch einen Verkäufer gibt. Er hatte das Bild 2004 für 95 200 Pfund bei Sotheby’s ersteigert. Am 24. Juni soll es mindestens 250 000 Pfund kosten. „Deutsche Kunst ist international gesucht und schwer zu finden“, sagt Newman. Es ist nicht so, dass Sammler den Auktionshäusern die Türen einrennen, um ihre in den letzten Jahren teuer eingekaufte Kunst wieder loszuwerden. Verkauft wird, wenn Auktionatoren diskret die Deals arrangieren und der Preis stimmt. Wenn nicht, bleibt die Kunst bei den Leuten an den Wänden. Die Auktionen sind nicht dünn, weil die Kunst nicht mehr geliebt wird, sondern weil niemand unter Preis verkaufen will. So müssen die Auktionshäusern mühselig Marktpflege betreiben und Vertrauen schaffen. Ob Christie’s das mit einem großen Bild von Franz Marc von 1910 gelingt? Drei bis vier Millionen Pfund soll es kosten. Vor einem Jahr bezahlte ein Russe für Marcs „Weidende Pferde III“ bei Sotheby’s 12,4 Mio. Pfund. Aber es handelt sich hier nicht um jenen typischen Marc, den sich der Sammler erträumt. Marktfrisch allerdings ist das Bild – es gehörte der Witwe des Dresdner Sammlers Kurt Kirchbach.

In den Contemporary Auktionen treten Christie’s und Sotheby’s mit zwei Gemälden von Peter Doig gegeneinander an, beide sind auf 1,5 bis 2 Millionen Pfund geschätzt. Die höchste Taxe bei Christie’s am 30. Juni hat ein Nurse-Painting von Richard Prince (1,5/2 Mio. Pfund), doch wird man sich von Gerhard Richters großem Gemälde „1025 Farben“ mehr versprechen, das auf 1,3 bis zwei Millionen Pfund geschätzt ist. Phillips offeriert am 29. Juni unverzagt junge Kunst: Eine Fotografie von Richard Prince (400 000–600 000 Pfund) ist das teuerste Los. Sotheby’s und Christie’s setzen verstärkt auf Altzeitgenossen von Dubuffet bis Anselm Kiefer. Aber, sagt Sotheby’s-Experte Alexander Branczik, „wir haben wieder mehr Risiken in der Auktion“. Offen lässt er, ob das große Bild von Damien Hirst dazugehört. Die Taxe ist dieselbe wie in Hirsts großer Ausverkaufsauktion vom September, aber niemand erwartet, dass die Preise so hochschießen wie damals. Matthias Thibaut

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