Kultur : Sommerfestspiele: Warum Festivals ihr Geld wert sind

Frederik Hanssen

Der Vorhang zu und alle Kassen offen: Am Ende jeder Festspielsaison sieht man in Bregenz am Bodensee allenthalben zufriedene Gesichter - im Intendanzbüro, der Tourismuszentrale, dem Rathaus, ja sogar in den Geschäften und Gaststätten. Von den rund 200 000 Musikfans, die alljährlich die Festspiele besuchen, geben 59 Prozent an, ausschließlich durch das Opern-Event auf der Seebühne in die Stadt gelockt worden zu sein. 15 Prozent kombinieren den Besuch der Aufführungen bewusst mit einem längeren Urlaub in der Region. Dabei lassen die Opernbesucher nicht nur Geld für Tickets und Hotelübernachtungen in Bregenz, sondern geben auch noch durchschnittlich 100 Mark pro Tag vor Ort aus, wenn sie shoppen oder essen gehen. Bei den jährlich rund 230 000 Besuchern der Salzburger Festspiele (79 Prozent ausländische Besucher!) oder den 58 000 Gästen des Bayreuther Wagner-Festivals sieht es ähnlich aus.

Festspiele rechnen sich, denn sie locken Menschen an Orte, die sie vielleicht sonst nie besucht hätten. Und selbst bei denen, die sich nicht zu einer Reise entschließen, setzt sich das Image einer kulturfreundlichen Atosphäre im Hinterkopf fest: Die Universität Salzburg hat errechnet, dass pro Saison durch Presse, Funk und Fernsehen, aber auch durch Berichte von Freudnen beispielsweise rund eine Milliarde Menschen von den Bregenzer Sommer-Aktivitäten erfahren. Dabei handelt es sich um eine Zielgruppe, die jedem Wirtschaftsdezernenten besonders lieb ist: Festivalgäste sind nicht nur überdurchschnittlich gebildet, sondern zumeist auch Besserverdiener. Kein Wunder also, dass überall auf der Welt jedes Jahr immer neue Veranstaltungsserien aus dem Boden sprießen.

Wissenschaftliche Studien haben bewiesen, dass ein Festival-Arbeitsplatz für drei Jobs außerhalb des Festivals sorgt. Kultursubventionen lohnen sich also durch ihre sogenannte "Umwegrentabilität": Jede Mark, die eine Gemeinde oder ein Sponsor in ein Festival investiert, fließt letztlich vierfach wieder in den Wirtschaftskreislauf zurück.

Eine Umfrage der British Arts Festival Association aus dem März 2001 belegt dies mit eindrucksvollen Zahlen: Die 137 Festivals der Insel generieren jedes Jahr einen volkswirtschaftlichen Nutzen von umgerechnet fast 300 Millionen Mark. Neben Tausenden von Künstlern und Technikern finden auch 3387 Personen in Mangement und Organisation Arbeit - die unzähligen freiwilligen Helfer, die die Festivals ins gesellschaftliche Leben vor Ort integrieren, gar nicht mitgerechnet. Mit durchschnittlich rund 5000 Aufführungen erreichen sie 4,2 Millionen Menschen. 21 Prozent aller erwachsenen Briten besuchen damit jedes Jahr mindestens ein Festival. Für viele von ihnen ist es die erste Begegnung mit Theater oder klassischer Musik: Im Freien und bei lockerer Atmosphäre ist die Hemmschwelle einfach niedriger, sich auch mal eine Oper oder einen Klassiker anzuschauen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben