• Sommerkonzert der Berliner Philharmoniker: Gustavo Dudamel dirigierte in der Waldbühne

Sommerkonzert der Berliner Philharmoniker : Gustavo Dudamel dirigierte in der Waldbühne

Beim traditionellen Sommerritual der Philharmoniker überzeugte Dirigent Dudamel mit Tschaikowsky und Brahms. Einige Touristen in Fußballtrikots freuten sich zu Beginn des Konzerts, als sei ein entscheidendes Tor gefallen.

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Belegte Plätze in der Waldbühne. Fast 20.000 Besucher kamen zum Sommerkonzert.
Belegte Plätze in der Waldbühne. Fast 20.000 Besucher kamen zum Sommerkonzert.Foto: Sven Darmer/Davids

Bei den vielen Großereignissen in Berlin kann man schon mal leicht durcheinander geraten. Die beiden Touristen aus Japan waren im Fußballtrikot zum Konzert der Berliner Philharmoniker in die Waldbühne gekommen. Und als die Orchestermitglieder ihr Publikum unmittelbar vor Beginn mit einer La-Ola-Welle begrüßte und umgekehrt auch eine von den fast 20.000 Zuhörern bekam, da kannten die beiden kein Halten mehr, sprangen auf und wedelten die mitgebrachten Deutschland-Fähnchen, als sei gerade das entscheidende Tor gefallen.

Sie konnten natürlich nicht wissen, dass die Welle zum alljährlichen Sommerritual gehört, ließen die Fähnchen auch sinken, als sie sich schließlich damit allein auf weiter Flur ertappten. Am Ende aber, als es Beifallsstürme und stehende Ovationen gab für die Philharmoniker und den Dirigenten Gustavo Dudamel, da wedelten sie wieder, Wunderkerze in einer, Fähnchen in der anderen Hand. Dazwischen lag ein bemerkenswertes Konzert. Der aus Venezuela stammende erst 33-jährige Musikdirektor des Los Angeles Philharmonic Orchestra zeigte eindrucksvoll, welche musikalischen Funken sprühen, wenn lateinamerikanisches Feuer und unbeschwerte Jugend auf einen hochveredelten Klangkörper treffen. Da schmeckt die Berliner Luft nicht mehr nach bodenständigem Bier, sondern prickelt wie Champagner.

Zum 450. Geburtstag von Shakespeare gab es erst Tschaikowskys Symphonische Fantasie "Der Sturm", dann die Fantasie-Ouvertüre "Romeo und Julia". Nach der Pause dann die Symphonie Nr. 1 von Johannes Brahms. Dass zwischen Sätzen geklatscht und sogar gejubelt wurde, wird der Dirigent, der klassische Musik auf breiterer Front populär machen will, gut verschmerzt haben. Dass im Publikum mitgesummt wird, sollte bitte trotzdem verboten bleiben. Das Mitmachen ist eigentlich auf die "Berliner Luft" beschränkt, bei der auch schon mal mitgeschmettert werden darf. Die Nacht war so lau, so perfekt, kaum zu glauben nach den Stürmen der Vortage. Dudamel war eigentlich nur eingesprungen für Sir Simon Rattle, der gerade eine Auszeit als junger Vater nimmt. "Musical America", das führende Online-Magazin für klassische Musik in den USA, hat ihn gerade letztes Jahr zum "Musiker des Jahres" gekürt. An diesem Abend hat er auf der Liste der möglichen Nachfolger für Rattle seinen Stern vor einem breiten Publikum zum Leuchten gebracht.

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