Sommerkonzert mit dem Gershwin Piano Quartet : Das fantastische Funkeln

Im Rahmen der Brandenburgischen Sommerkonzerte trat das Gershwin Piano Quartet im malerischen Neuruppin mit Werken von Rachmaninov bis Bernstein auf.

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Das Gershwin Piano Quartet.
Das Gershwin Piano Quartet.Foto: Gershwin Piano Quartet

Konzerte, die romantische Musik mit amerikanischer Jazz-Klassik kombinieren, wirken manchmal wie ein Appell an die gute Laune. Was regelmäßig die nicht so gute Laune des Zuhörers nach sich zieht. Gemischte Gefühle also beim Ausflug ins malerische Neuruppin, wo das Gershwin Piano Quartet im Rahmen der Brandenburgischen Sommerkonzerte mit Werken von Rachmaninov bis Bernstein auftritt, zumal man sich mit dem Zugbillet zusätzlich derzeit eher einen unerwünschten Sauna-Besuch einhandelt.

Im Altarraum der riesigen Klosterkirche St. Trinitatis bietet sich dann der ungewöhnliche Anblick von vier Pianisten an ebenso vielen Bechstein-Flügeln. Mit den ersten Tönen verflüchtigt sich jedoch die Befürchtung, hier könnten verschiedene Musikstile auf den billigsten gemeinsamen Nenner gebracht werden: Rachmaninows Vokalise erhält einen Überwurf aus chromatischen Girlanden, die wie Spinnweben im Gegenlicht leuchten, Cole Porters „Night And Day“ rührt noch einmal zu Tränen. Die Parallelen zwischen den so unterschiedlichen Komponisten wirken hier einmal nicht mühsam gesucht, sondern wie leichthändig gefunden: Ein Arrangement von Gershwins „The Man I Love“ klingt wie eine verfremdete Scriabin-Etüde (zuvor wurde mit feinem Klangsinn eine echte aufgeführt) und Ginasteras Tänze lassen an Prokofjew denken, der ebenso auf dem Programm steht.

Klangfantasie und Rhythmusgefühl

Das Zusammenspiel der vier schweizerischen Virtuosen Mischa Cheung, André Desponds, Benjamin Engeli und Stefan Wirth liegt auf dem Niveau eines seit vielen Jahren musizierenden Streichquartetts, Klangfantasie und Rhythmusgefühl erinnern an ein anderes „One-Instrument-only“-Ensemble: Die zwölf Cellisten der Berliner Philharmoniker.

So funkeln selbst die allzu bekannten Werke von Gershwin und Bernstein in geistreichen, effektsicheren Arrangements noch einmal frisch und mit neuen Nuancen: Bei „Porgy and Bess“ wird das berühmte „Summertime“-Thema in den Song „It Ain’t Necessarily So“ eingeflochten, in der Suite aus der „Westside Story“ verbreitet das im höchsten Register angestimmte „I Feel Pretty“ Spieldosen-Zauber, während sich die Melodie aus „Tonight“ selbst darüber zu wundern scheint, dass sie im Kanon gespielt werden kann. Da darf am Ende einer der Pianisten kokett anmerken, die Deutschen spielten zwar besser Fußball, die Schweizer allerdings besser Klavier; denn dieser Auftritt war tatsächlich weltmeisterlich.

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