Sommerkultur : Lucie & Luise

Mut & Anmut: 2010 ist nicht nur Luise-Jahr. Überall in Brandenburg feiert man die starken Frauen mit Ausstellungen und Veranstaltungen

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„Schloss-still-im-Land“ hat Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ Schloss Paretz westlich von Potsdam genannt. Hier schufen sich Friedrich Wilhelm III. und seine Frau Luise ihr ländliches Idyll, feierten Erntedank mit dem ganzen Dorf, verlebten nach eigenen Aussagen die glücklichsten Tage. Der König ließ sich auf der Dorfstraße als „Schulze von Paretz“ ansprechen, seine Frau war schlicht die „Gnädige Frau.“
Schloss Paretz, das seit einigen Jahren aus Vernachlässigung und Dornröschenschlaf aufs Schönste wieder aufersteht, ist immer einen Sommerausflug wert. Ganz besonders aber im Luise-Jahr, wenn zum 200. Todestag der beliebtesten preußischen Königin mit mehreren Ausstellungen gedacht wird.
„Leben und Mythos“ hat sich die Überblicks-Ausstellung im Schloss Charlottenburg auf die Fahnen geschrieben, die noch bis 30. Mai läuft. Auf der Berliner Pfaueninsel, einem weiteren Lieblingsort Luises, beschäftigen sich derzeit zeitgenössische Künstler wie Olafur Eliasson mit der „Preußischen Madonna“. Die intimste Annäherung an Luise jedoch dürfte die Ausstellung auf Schloss Paretz werden. Ab 31. Juli werden hier die Original-Kleider der Königin gezeigt – Luise hatte einen absoluten Modefimmel, hat unendlich viel Geld für Kleidung ausgegeben. Gleichzeitig jedoch soll es hier um die Königin privat gehen, die „Jungfer Husch“, die in unzähligen oft orthografisch nicht ganz korrekten, dafür aber ungemein lebhaften Briefen auch nach 200 Jahren noch lebendig wirkt.
Luise und Brandenburg, das ist ein großes Thema. Die in Darmstadt aufgewachsene Königin fühlte sich in Berlin nicht immer wohl, reiste liebend gern aufs Land. Man kann in ganz Brandenburg und Mecklenburg auf ihren Spuren wandeln, wie es zum Beispiel Christine Gräfin von Brühl in ihrer aktuellen Biografie „Die preußische Madonna. Auf den Spuren der Königin Luise“ tut (Aufbau-Verlag). Zum Beispiel nach Schloss Hohenzieritz, wo Luise am 19. Juli 1810 an einer Lungenentzündung starb, mit 34 Jahren. Hier wird ihrer mit Luisen-Gedenkstätte und Luisen-Tempel gedacht. Man kann aber auch nach Neustrelitz fahren, wo Luises Vater, Herzog Carl von Mecklenburg-Strelitz, ab 1794 lebte. Das Schloss wurde nach dem Krieg abgerissen, im schönen Park jedoch steht noch ein griechischer Tempel, mit dem die Familie, vor allem Luises Bruder Georg, der viel zu früh Verstorbenen gedachten.
Gedenkorte überall. Das elegante, eiserne Luisendenkmal in Gransee, das Schinkel entwarf und das daran erinnert, dass Luises Sarg auf dem Weg von Hohenzieritz nach Berlin zurück hier eine Nacht verbrachte. Aber auch das kleine Luisendenkmal von Dannenwalde mit einer Gedenksäule im Wald.
Doch Luise ist nicht die einzige Frau in Brandenburg. „Mut & Anmut. Frauen in Brandenburg-Preußen“ lautet in diesem Jahr das Landes-Motto, unter dem Ausstellungen und Veranstaltungen zu ganz verschiedenen Frauenpersönlichkeiten zusammengefasst werden, zu Else Weil zum Beispiel und ihr Leben mit Kurt Tucholsky in Rheinsberg, zu Fontanes Frauenfiguren, die bei einem Theaterprojekt in Neuruppin gewürdigt werden, zu den Spreewald-Malerinnen Marie Moritz und Frieda Boehr. Doch der Schwerpunkt liegt im 19. Jahrhundert. Bei Caroline de la Motte Fouqué zum Beispiel, die auf Schloss Nennhausen einen Sommersalon führte und nun im Kleist-Museum Frankfurt/Oder gewürdigt wird. Oder bei Bettine von Arnim auf Schloss Wiepersdorf. Sie ist auch Protagonistin einer Szene, die der langjährige Tagesspiegel-Feuilletonchef Heinz Ohff in seiner Pückler-Biografie „Der grüne Fürst“ süffisant schildert. Bettine hatte es sich in den Kopf gesetzt, den berühmten Fürst Pückler, mit dem sie 1831 eine Liebschaft hatte, auf seinem Schloss in Muskau zu besuchen, und tigerte durch den berühmten Landschaftspark, in der Hoffnung auf eine Einladung. Der Park ist groß, lange bemerkte man sie nicht. Endlich musste man sie bitten, der Höflichkeit halber. Und die Dame quartiert sich so selbstverständlich ein, dass der Fürst große Not hat, sie wieder loszuwerden. Insbesondere Lucie von Hardenberg, seine Frau, hatte sehr darauf gedrängt, den lästigen Gast wieder loszuschicken.
Diese Lucie von Hardenberg, Tochter des preußischen Staatskanzlers Hardenberg, steht im Zentrum einer Ausstellung in Schloss Branitz, die ab 20. Mai die Frau an Pücklers grüner Seite ehren will. Wie viel Anteil hat sie, die deutlich Ältere, nicht unbedingt Gutaussehende, an den Plänen ihres Tausendsassas von Mann? Immerhin: Als dem Fürsten in Muskau, seinem ersten Großprojekt, das Geld ausging, stimmte sie sogar einer Schein-Scheidung zu, damit sich Pückler mit einer englischen reichen Erbin verheiraten könne. Aus den Plänen wurde nichts, Muskau war verloren, Fürst Pückler musste das Gut 1845 verkaufen. Die Idee, nach Branitz überzusiedeln und dort noch einmal von Neuem zu beginnen, soll wieder von Lucie gekommen sein. „Verehrte Schnubs, weil ich einmal Dein leibeignes Opferthier bin“, schrieb der Fürst einmal an seine Frau. Sollten die Rollen vertauscht gewesen sein?

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