Sommerkultur : Traumwelt

Open Air Festivals sprießen in der Sommer-Saison – ob am Dresdner Elbufer oder am Lausitzer Ilse-See. Von der Lust auf ein Kino unter Sternen.

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Der Mann hat Phantasie. Mitten in der Wüste steht er, um sich herum nur Schutt und Geröll, und schwärmt von Schiffen, Häfen, Wasser. 30 Kilometer schiffbare Strecke sollen hier entstehen, über zehn Seen, mit Kanälen verbunden, bis hin zum Spreetaler See, der schon zu Sachsen gehört. Von der Autobahn sind es nur fünf Kilometer.
Rolf Kuhn, der Geschäftsführer der in diesem Jahr auslaufenden Internationalen Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land, ist ein Visionär. Er muss einer sein. Die Wüste, das Brachland, das, was jahrzehntelanger Tagebau und Abraum von der lieblichen Lausitz übrigließen, das sollte er neu gestalten, war der Auftrag beim Start vor zehn Jahren. Und das ausgerechnet im Namen des großen Gartenbaumeisters Fürst Pückler. Am Ilse-See südlich der Stadt Großräschen, wo aus dem Restloch des Tagebaus Meuro Hafen und Mole, Seebrücke und Kanal entstehen sollen, ist es 2015 soweit. Dann ist der See komplett geflutet. DIe Schiffe können kommen. Der Ausblick ist schon jetzt spektakulär.
Bis dahin übt man sich in Zwischennutzung, zum vierten Mal inzwischen schon, mit wachsendem Erfolg: bei den Filmnächten am Ilse-See. Wo beim größeren Bruder, den Dresdner Filmnächten am Elbufer, seit 1991 ab Mitte Juli allabendlich bis zu 5000 Besucher die aktuellen Kinohits der Saison vor dem Altstadtpanorama genießen, wo inzwischen fast jede größere Stadt mit Open-Air-Kinoereignissen lockt, backt man im Ilse-See kleinere Brötchen, mit bis zu zweihundert Gästen am Abend – und setzt auf den Zauber des Unvollendeten.
Drei Abende im Juni gibt es Kino unter Sternen. Liegestühle und Sonnenuntergang auf den Seeterrassen, Glühwein und Würstchen zur Stärkung. Nebenbei kann man auch die aktuelle IBA-Abschluss-Ausstellung auf den Seeterrassen besuchen. Auf dem Abendprogramm stehen drei Kinohits der Saison, darunter Andreas Dresens liebevolle Film-imFilm-Komödie „Whisky mit Wodka“, mit Corinna Harfouch und Henry Hübchen, die zur Vorführung erwartet werden – schon „Wolke 9“, Dresens letzter Film war im vergangenen Jahr am Ilse-See zu sehen.
Das Highlight diesmal allerdings wird der Eröffnungsfilm sein, der schon auf dem Filmfest in Cottbus im vergangenen November ein Geheimtipp mit ausverkauften Sälen war und auch hier ein Heimspiel sein dürfte.
Die Dokumentation „Träume der Lausitz“ (Foto) von Bernhard Sallmann porträtiert das Land zwischen Tristesse und Träumerei, die Verwüstungen der Vergangenheit, die Visionen der Zukunft, die bizarren Formationen, die entstanden sind, die ambitionierten Projekte. Und porträtiert die Menschen, die bei dem aberwitzigen Unternehmen IBA Fürst-Pückler-Land mit gewirkt haben: Menschen, die bewusst hierher gekommen sind, auf der Suche nach Wölfen, auf der Suche nach Einsamkeit, auf der Suche nach neuen Gestaltungsmöglichkeiten. Menschen von IBA-Chef Rolf Kuhn, die von Seen sprechen, wenn sie Wüsten sehen.

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