Sommermatineen im Instrumenten-Museum : Kleiner Saal, große Wucht

Beim zweiten Konzert der Sommermatineen im Musikinstrumenten-Museum zeigt sich der Pianist Georgy Tchaidze als guter Erzähler mit einem differenzierten Klangfarbensinn.

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Pianist Georgy Tchaidze
Guter Erzähler: Der 1988 geborene Pianist Georgy Tchaidze.Foto: Chad Johnston/promo

Wenn sich in den Sommermonaten die großen Konzertsäle leeren, ist das eine gute Gelegenheit, sich Gedanken darüber zu machen, wen man dort in Zukunft hören möchte. Die Gotthard-Schierse-Stiftung befördert dieses Nachdenken mit ihren Sommermatineen im Musikinstrumenten-Museum: In dessen intimem Curt-Sachs-Saal kann man noch bis zum 2. August jeden Sonntag um 11 Uhr für 12 Euro junge Kammermusiker hören, die nach ihrer Ausbildung dabei sind, sich einen festen Platz im Musikbetrieb zu erobern.

Nicht jeder ist ein unbeschriebenes Blatt: Der 1988 geborene Pianist Georgy Tchaidze etwa kann unter anderem bereits auf ein Debüt in der renommierten Londoner Wigmore-Hall zurückblicken. Ein starker Beginn gelingt ihm denn auch mit der Es-Dur-Sonate KV 1774 – einem frühen, technisch wenig anspruchvollen Werk Mozarts, dessen Schwierigkeiten ganz in der musikalischen Gestaltung und in der Adaption des transparenten Satzes für den modernen Steinway liegen. Schon hier präsentiert sich Tchaidze als guter Erzähler, der jede Phrase und jede galante Seufzerfigur mit feiner Emotion aufzuladen weiß und alles Spieluhrenhafte vermeidet. Diese Tugenden, zu denen auch noch ein differenzierter Klangfarbensinn hinzutritt, kommen auch Beethovens später As-Dur-Sonate op. 110 zugute. Die abschließende Fuge rückt er dabei auch klanglich in die Nähe großer Orgelwerke, wobei er die Tempi allerdings bisweilen etwas zu sehr verlangsamt. Einen stärker improvisatorisch-spielerischen Gestus würde man sich auch bei seinen Interpretationen von Chopins Mazurken op. 30 wünschen.

Klangliche Empfehlung für die großen Säle

Umso organischer integriert Tchaidze dagegen die gitarristischen Verzierungen von Enrique Granados’ „El Amor y la Muerte“ in den Satz. Sowohl in diesem Stück, das von einer Radierung Goyas inspiriert ist, wie auch in Modest Mussorgskis „Bilder einer Austellung“ kann er seine große erzählerische Begabung voll ausspielen. Verleiht er Granados spanischem Liebestod mit jedem Ton des lang hinausgezögerten Schlusses noch kleine überraschende Wendungen, hat er bei Mussorgski nicht nur die farbigen Gemälde, sondern auch den Betrachter im Blick. Dessen Gemütszustand zeichnet Tchaidze vom forschen Betreten der Ausstellung bis hin zum kontemplativen Nachempfinden in den Promenaden lebendig nach, bevor er sich im mächtig orchestralen „großen Tor von Kiew“ schließlich auch klanglich für größere Säle empfiehlt.

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