Sommernächte (1): Draußenschlafen : Unter einem schönen Stern

Lang ersehnt, erträumt, erdichtet und erinnerungsträchtig: Sommernächte sind die schönste Auszeit des Jahres. In den Ferien erzählen wir an dieser Stelle davon. Diesmal: Draußenschlafen.

von

Eigentlich eine Nacht zum Draußenschlafen, sagt Anton, als es später und später wird bei Bernhard und Cécile, die den Einzug in die neue Wohnung feiern und bei denen wir bald zwischen schicker Vorderhausküche und schönem Berliner Nebenstraßenbalkon stehen. Genau, sagt Doris, zum Beispiel auf dem Balkon!

Balkon, wie harmlos, sagt Ernst, in Alicante hätten sie damals fünf Nächte am Stadtstrand gepennt, eine richtige Schläferkolonie war das an einem Bauzaun mit zwanzig fremden Leuten. Und Franca, die dabei war: Im Schlafsack hatten wir sogar noch die Schuhe an, damit uns die bloß keiner klaut!

Nächte in Pariser Treppenhäusern

Überhaupt Baustellen, super Schlafplatz, ruft Georg dazwischen, der sich immer gern an sehr viel früher erinnert – übern Zaun und zwei Stockwerke im Rohbau hoch und die Isomatte ausgerollt, bisschen staubig zwar, aber regensicher, und morgens unbedingt vor sechs weg. Oder die Podeste mit Oberlicht in Pariser Treppenhäusern, bevor es da überall Türcodes gab, weiß Hannes, der mal mit Isa nachts angekommen war, todmüde Nähe Place d’Italie.

Jo schwört auf römische Dachterrassen in den Schmutzgassen rund um die Stazione Termini, Haustür mit dem Ellbogen aufgedrückt und oben am besten mit Waschzuber fürs Zähneputzen bei Sonnenaufgang. Klaus hat sich über Nacht im Forum Romanum einschließen lassen, und Lilly weiß noch die grässliche Mückennacht im südfranzösischen Orange, hoch auf dem Hügel hinterm Amphitheater.

Rückbank eines VW-Käfers als Jugendruhesitz

Immerhin besser, sagt Manuel, als das verlassene Stadtstreichernest vorletzten Sommer unterm Holzhaus in Stockholm. Apropos Skandinavien, sagt Nina, überall diese Heuhütten – und morgens zusammen mit Olavi die Plastikflasche in die Milchkanne an der Landstraße tunken!

Und erst Paula und Quirin in dem Küstendorf in Belize: Wie sie vor den Ratten dann doch Reißaus nahmen im Bretterhotel, da sollte uns lieber der Tiger fressen! Robert rühmt die Rückbank seines VW-Käfers als Jugendruhesitz, und Sabine übernachtet am liebsten in Baumhäusern. Und Theo und Ulla, denen schwappte mal am Pazifik die Flut an die Schlafsäcke morgens um vier.

Und du, Vera, sagt Winni, du sagst nichts? Die träumt sich da raus, meint Xenia, und Yvonne: Schlafen wir nicht alle sowieso à la belle étoile, wie man bei uns in Frankreich sagt, und immer? Bett- und Zimmerdecke weggedacht, und schon ist der ganze Planet das Gasthaus zum schönen Stern, ich meine, jetzt mal vom Weltall aus gesehen?

Da kommt Zazie in die Küche: Noch Wein da? Klaro, und hinten über den Bäumen wird es fast schon wieder hell.

Mit diesem Text beginnt unsere Glossenserie "Sommernächte". Weitere Texte: Die Nachtigall (13.7.), Sommerdüfte (16.7.), Weckerklingeln (20.7.), Marseille (24.7.), Hoteltipps (27.7.), Seenot (30.7.), Wintersehnsucht (2.8.), Glühwürmchen (7.8.), Dunkelheit (10.8.), Fähren (14.8.), Mücken (20.8.), Lebensfries (24.8.)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben