Sommersouvenirs (2): Wein : Der Teufel in der Flasche

Mitbringsel aus dem Urlaub sind schön, selten, nützlich, überflüssig, trag- oder trinkbar.  Ulrich Amling hat allerdings ein Problem mit den Weinflaschen im Handgepäck. Teil 2 unserer Sommerserie.

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Weinflaschen
Im Urlaub ein echter Genuß - im Handgepäck kann der Wein allerdings schnell zur Last werden.Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Wie die Liniennetze der Billigfluggesellschaften unsere Vorstellung von Europa verändern und Rollkoffer den Sound der bereisten Städte prägen, wurde längst erforscht. Doch hat sich schon mal jemand die Zeit genommen, um über den Wandel des Mitbringsels in einer Welt nachzudenken, in der man eigentlich nur noch easy mit Bordgepäck unterwegs ist? In der immer effizienter gepackt wird, das fünfte Paar Socken und das zweite Buch ryanweise wieder rausfliegt, weil noch Platz für Netzteil und Tablet bleiben muss?

Und es kommt noch schlimmer: Sicherheitsrichtlinien vermuten Handlanger des Terrorismus in allen Flüssigkeiten. Also muss die große Flasche Eau de Cologne, die man in der Türkei geschenkt bekam, zurückbleiben, genauso wie die traumschöne Metalldose mit Olivenöl aus Nizza. Auch Winzerbesuche verlaufen komplett anders, wenn man lediglich mit Handgepäck reist. Statt frohlockend oder auch nur pflichtschuldig zwei Flaschen zu erstehen, fragt man nun demütig nach Online-Shop und Versandgebühren. Das bewahrt den Reisenden vor vielen weniger guten Flaschen, die nun nicht gekauft und weggeschleppt werden müssen. Es lässt ihn aber auch sehnsüchtig an die aufregenden Funde zurückdenken, die er nun nicht daheim mit Freunden teilen kann.

Doch, Erinnerungen sind süß

Wer an Flughäfen versucht, diesen Verlust in letzter Sekunde auszugleichen, wird verzweifeln. Supermarktware in endlosen Supermarktregalen, die überall gleich aussehen. Na gut, im Aeroporto von Porto kann man eine Flasche LBV oder Colheita mit diesen altertümlichen Schablonen-Aufschriften erstehen. Und fühlt sich in Zeiten zurückversetzt, als man noch mit Hartschalenkoffern reiste und am Gepäckband stoisch ihrer verschrammten Wiederkehr harrte. Die Dinger waren schwer – und nie benutzte man sie, wie in der Werbung gezeigt, als Wintersportgerät –, eigneten sich aber ideal für den kleinen privaten Weinimport.

Aus dieser Epoche liegt noch eine Flasche Samos im Keller, das Etikett von der Feuchtigkeit gezaust. Das Flugzeug startete damals in Athen und setzte in Tempelhof wieder auf. Höchste Zeit, das Fläschchen mit dem dunkelgoldenen Inhalt zu öffnen und sich zu versichern: Doch, Erinnerungen sind süß.

Bisher erschienen: Bücher in fremden Sprachen

Für unsere zweite Sommerserie bleiben wir dieses Jahr in Berlin und entdecken "Berliner Höfe".

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