Sonntagsfrage : Darf ich zur Hochzeit Weiß tragen?

Irgendwo habe ich mal gehört, dass man zu einer Hochzeit kein weißes Kleid anziehen darf. Im Moment heiraten alle meine Bekannten, und mir steht Weiß besonders gut. Ich habe auch einige Kleider in der Farbe. Ist das wirklich ein Tabu? Elisabeth Binder antwortet.

Elisabeth Binder

Diese Regel stammt aus der Zeit, in der Bräute fast immer in langen weißen Kleidern zum Altar schritten. Dieses ist der Tag der Braut, da soll sie die Schönste von allen sein, aus der Masse ihrer Gäste eindeutig herausragen. Niemand soll versuchen, ihr ähnlich zu sein. Es lohnt sich in jedem Fall, vorher zu recherchieren, welche Farbe das Brautkleid hat. Trägt die Braut Rot, ist ein weißes Kleid völlig in Ordnung, trägt sie Hellblau, sollte man selber auf diese Farbe verzichten. Trägt sie Weiß, und Sie selber wollen unbedingt auch Weiß tragen, könnten Sie das vorher mit ihr abstimmen. Achten Sie aber genau darauf, ob ihre Erlaubnis wirklich von Herzen kommt oder nur ein Akt der Höflichkeit ist. Es ist nicht mehr so wichtig, sich an Konventionen und altmodische Regeln zu halten. Wichtiger ist es, den Sinn dahinter zu verstehen und umzusetzen. Dass man sich zuallererst Gedanken über das eigene Aussehen macht, wenn man zur Hochzeit eingeladen ist, ist menschlich. Man muss sich nur immer vergegenwärtigen, dass man selber nicht die Hauptperson ist und folgerichtig auch nicht die Schönste des Balls sein muss.

Je entspannter man an die Sache herangeht, desto authentischer und also auch sympathischer wird man auf dem Fest erscheinen. Ich habe auch schon gehört, dass Bräute von sich aus Farbvorschläge unterbreiten, um die eigene Hochzeit ein bisschen zu stylen. Das wird für die Gäste unter Umständen teuer. Natürlich ist eine Hochzeit ein schöner Anlass, einneues Kleid zu kaufen. Das sollte nur nicht in Zwang ausarten, egal ob er von den Gastgebern oder vom eigenen Ehrgeiz ausgeht.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder mailen Sie diese an: meinefrage@tagesspiegel.de

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