Sonntagsfrage : Wie stelle ich das Schnaufen ab?

Wie sage ich meinen meist männlichen Nachbarn in Oper, Theater, Philharmonie und Kino, dass sie bitte, bitte leise atmen sollen. Ich ärgere mich so oft und frage mich, wieso hört der Mensch sein eigenes Schnaufen nicht, warum macht ihn die Begleiterin nicht drauf aufmerksam. Ich finde einfach keine Form, dieses Anliegen annehmbar rüberzubringen. Elisabeth Binder antwortet.

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Bitte sprechen Sie Ihren Nachbarn auf keinen Fall während des Konzerts an. Das wäre sehr unhöflich und störend. Ein Live-Konzert ist auch ein Gemeinschaftserlebnis, ein einzigartiger Klangmoment, den nur die in diesem Saal versammelten Menschen erleben, der sich nie wiederholen lässt. Dafür muss man Einschränkungen in Kauf nehmen. Will man ein makelloses, völlig ungestörtes, reines Musikerlebnis, wird man wohl am besten eine gute CD in der heimischen Stereoanlage hören. Aber das macht vielleicht nicht so viel Spaß. Perfektion kann auch was Steriles haben. Wer das Gemeinschaftserlebnis sucht, sollte sich auf menschliche Schwächen einrichten. Das Räuspern und Schnäuzen zwischen den Sätzen ist oft bespottet, aber dadurch nicht abgestellt worden. Es gehört offenbar zu den Dingen, mit denen Freunde klassischer Konzerte leben müssen. Glücklich die Popfans, die allein schon durch verschärfte Dezibel von derlei verschont bleiben.

Am besten also, Sie üben Toleranz in minder schweren Fällen. Merken Sie aber, dass es sich bei dem Schnaufpatienten neben Ihnen um einen weder kranken noch gebrechlichen Menschen handelt, der gesundheitliche Gründe dafür haben könnte, dann sprechen Sie ihn in der Pause an. Sagen Sie doch, dass es Ihnen leid tut, dass sich der Nachbar offenbar mit einer schweren Erkältung ins Konzert gequält hat, dass Sie ihm gute Besserung wünschen, dass Sie selber mitleiden, da Sie die Musik wegen des schweren Atems kaum hören. Bestimmt reißt er sich dann zusammen.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder mailen Sie diese an:
meinefrage@tagesspiegel.de

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