Kultur : Sotto voce

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Jörg Königsdorf über

die ganz kleine Philharmonie

An die eigentümliche Atmosphäre, die im Curt-Sachs-Saal herrscht, muss man sich erst gewöhnen: Der Konzertsaal des Musikinstrumentenmuseums wirkt wie eine Kreuzung aus einem Chemiehörsaal und einer Liliput-Version der benachbarten Philharmonie. Ein eigentlich hoffnungslos steriles Ambiente, das durch die menschenleere Dauerausstellung des Museums drumherum auch nicht gerade Pepp bekommt. Und doch hat sich diese Mini-Philharmonie mit ihren rund 150 Plätzen in den letzten Jahren ein eigenes Profil gewonnen. Begabte Hochschul-Studenten holen sich beim Jour Fixe am Mittwochnachmittag Podiumserfahrungen, und auch die jungen Ensembles der Alte Musik besitzen hier eine feste Anlaufstelle. Einmal im Jahr kommt es sogar zum Kräftemessen dieser Formationen: Beim Alte Musik-Treff wird das beste Nachwuchsensemble ermittelt. 20 Bewerber haben sich diesmal gemeldet und haben die Möglichkeit, sich am Samstag (ab 11 Uhr) und am Sonntag (ab 10.30 Uhr) in knapp halbstündigen Kurzkonzerten vorzustellen. Im vollen Saal kommt dabei sogar ein bisschen Grand-Prix-Stimmung auf, auch weil das Publikum die Möglichkeit hat, neben dem offiziellen Jury-Preis noch einen eigenen Preis zu verleihen. Der zweitägige Marathon ist nebenbei auch eine gute Gelegenheit, sich durch einen Querschnitt barocker und vorbarocker Kammermusik zu hören: Von Bachschen Solosonaten über Consortmusik der Renaissance bis zu Kantaten von Scarlatti und Händel ist alles dabei, am Sonntagmorgen sogar ein Ensemble, das versucht, die Musik des antiken Griechenland und der Frühzeit des Christentums zu rekonstruieren.

Eingeleitet wird der Treff wie in jedem Jahr am Freitagnachmittag um 15 Uhr durch eine Live-Übertragung von Radio drei mit dem Klassik-Moderator Bernhard Morbach, bei dem als besonderes Bonbon ein Auftritt von Christine Schornsheim geplant ist. An Cembalo und Hammerclavier demonstriert sie, wie Bach im „Wohltemperierten Clavier“ auf die jeweiligen spieltechnischen und klanglichen Möglichkeiten beider Instrumente Rücksicht genommen hat.

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