Kultur : Sotto voce

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jörg königsdorf über

das Populäre und das Elitäre

Seltsam unspektakulär geht das saisonale Großprojekt des Konzerthauses zu Ende: Nicht das Berliner Sinfonie-Orchester und sein Chef Eliahu Inbal, sondern das Ensemble Acht am Sonnabend und Klangforum Wien mit Roland Kluttig am Sonntag dürfen die Schlusspunkte des Saisonmottos „Populär? Elitär?“ setzen. Was auch heißt, dass statt eines festlichen sinfonischen Riesenjubelstücks von Mahler oder Schostakowitsch die Zeichen eher auf Kehraus gesetzt sind: Während das Ensemble Acht im Kleinen Saal tschechische Kammermusik (die ja von je her besonders von der Volksmusik inspiriert ist) macht und mit Zdenek Fibichs Quintett und Martinus „Küchenrevue“ sogar zwei Raritäten ausgebuddelt hat, wird tags darauf im großen Saal durch die Radikalkonfrontation „ernster Werke“ von Berg und Janacek mit traditioneller Blasmusik vom Balkan (gespielt vom rumänischen Volksmusikensemble Fanfare Ciocarlia) und einem Stück des querköpfigen Zeitgenossen Vinko Globokar noch einmal auf ganz originelle Weise das Generalthema der wechselseitigen Anregung von E- und U-Musik aufgenommen. Unterm Schlussstrich bleibt natürlich trotzdem die Frage, ob solche Saisonmotti überhaupt irgendjemanden zu einer konzertübergreifenden gedanklichen Auseinandersetzung anregen. Wahrscheinlich eher nicht: Aber wenn, wie in dieser Spielzeit, eine ganze Reihe guter Konzerte dabei herauskommt, ist das ja auch schon etwas, oder?

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