Kultur : Sotto voce

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Carsten Niemann über

Klingeltöne und Kiezutopien

Eines der beliebtesten Musikinstrumente in unseren Konzertsälen ist bekanntlich das Telefon. Nostalgisch gerührt beobachten wir, wie die Sinfonieorchester und Chöre unserer Stadt mit archaischen Holz- und Metallinstrumenten oder gar der nackten Stimme auf sich aufmerksam zu machen suchen. Doch was vermag schon ein personalintensiv hergestelltes Händelsches Halleluja gegen den durchdringenden, mit digitaler Präzision hergestellten Sound der gleichen Melodie durch den kleinen Bösewicht in der Sakkotasche? Im Saalbau Neukölln werden von heute bis Sonntag jeweils um 20 Uhr zwei Kurzopern gegeben, in denen das Telefon eine Hauptrolle spielt. Unter dem Motto „Verbindung halten“ präsentiert das Junge Ensemble Berlin „The Telephone“ von Gian Carlo Menotti und „Die menschliche Stimme“ von Francis Poulenc. Die Aufführungen sind Teil des Festivals „48 Stunden Neukölln“, mit dem der Charkterkiez sich selber feiert. Die Cappella Calliope präsentiert in der Ateliergemeinschaft Karl-Marx-Straße „Lieder, Madrigale, Folk und Nonsense“ (So 18 Uhr), während in der Evangelischen Brüdergemeinde die 100 Metronome von Ligetis „Posme Symphonique" hoffentlich richtig ticken (Sa 20.30 Uhr). Einen Bruch mit den herkömmlichen Vorstellungen von musiktheatralischer Dramatik können Mutige hingegen in der Deutschen Oper erleben. Am Samstag um 17 Uhr beginnt in Daniel Libeskinds Bühnenbild und zu Olivier Messiaens Musik ein provozierend aktionsarmer Reifeprozess: der des Franz von Assisi zu göttlicher Gnade und heilendem C-Dur.

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