Kultur : Sotto voce

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Frederik Hanssen freut sich

auf ein klassisches Festival der Jugend

Wie schön, dass es sowas noch gibt in der Berliner Musikszene: Eine ganz und gar erfreuliche Erfolgsstory. Als ein paar Freunde vor drei Jahren abends beim Wein den Plan ausheckten, ins Berliner Sommerloch ein internationales Jugendorchestertreffen zu werfen, ahnte wohl keiner in der Runde, dass ihr Festival schon nach drei Durchgängen zu den Highlights der hauptstädtischen Klassik-Saison gehören würde. Wenn sich der (Theater-)Ferienfrieden über Berlin senkt und die Temperaturen steigen, beginnt die Vorfreude auf Young Euro Classic. Aus einem einfachen Grund: Weil die Stimmung bei den Auftritten der jungen Musiker aus aller Welt im Konzerthaus einfach super ist. Nichts ist da zu spüren von der vermeintlichen Steifheit hochkultureller Zeremonien. Stattdessen liegt Neugier in der Luft. Dass sich viele Fans von Young Euro Classic im klassischen Repertoire kaum auskennen, wirkt sich dabei uneingeschränkt positiv aus: Wo keine Erwartungshaltung dem Hörer Vorurteile ins Ohr setzt, wo nicht die Lust am Wiedererkennungseffekt Voreingenommenheit gegen Neues, Unerhörtes schürt, da treffen die Meister der Moderne auf Zuhörer, die sich spontan begeistern lassen.

Das beweist: Musik jenseits von Brahms und Beethoven muss kein Quotenkiller sein. Man braucht hier nämlich das, was bei den staatlich finanzierten Sinfonieorchestern neudeutsch education heißt: die pädagogische Erwärmung potenzieller Zielgruppen für das Genre, gar nicht. Auch weil hier Musiker sitzen, die ihre Begeisterung, mit erfahrenen Dirigenten große Sinfonik einzustudieren, in den Saal verströmen. Zweifellos spielen auch die moderaten Eintrittspreise auf Kinokartenniveau eine Rolle (8,50 Euro pro Abend, zehn Konzerte für 70 Euro).

Einen Schwerpunkt des diesjährigen Festivals, das bis zum 18. August im Konzerthaus stattfindet, liegt auf den baltischen Ländern: Am 8. August macht Lettland den Anfang, mit dem Dirigenten Imants Resnis und dem Klarinettisten Ints Daleris, der die deutsche Erstaufführung eines Werkes von Peteris Palkidis spielen wird. In den Tagen davor kann man auf eine virtuelle Südeuropareise gehen: Sie beginnt in Frankreich mit dem Konservatoriums-Orchester aus Lyon (und einem Ravel-Messiaen-Roussel-Programm am 3.8.), führt über Italien (4.8.) und Spanien 5.8. bis nach Griechenland (6.8.).

Das Eröffnungskonzert heute Abend im Konzerthaus wird vom Symphonieorchester des Staatskonservatoriums Ankara betritten. Mal sehen, ob die türkische Gemeinde der Stadt ihre Musikbotschafter genauso begeistert feiern wird wie jüngst ihre Fußballmannschaft. Also Freunde, rollt die „Türkiye"-Fahnen aus, macht euch auf den Weg zum Gendarmenmarkt - und vor allem: bringt eure großen Brüder mit!

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