Kultur : Sotto voce

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Jörg Königsdorf orakelt

über die neue Konzertsaison

Wieder mal flitzen die Berliner Symphoniker vorneweg, was die Eröffnung der neuen Konzertsaison angeht. Während die Konkurrenz noch probt, hat Berlins kleinstes Orchester schon sein erstes Programm parat, das auch schon ganz kennzeichnend für den Symphoniker-Kurs ausfällt. Der setzt traditionell auf einen gelungenen Mix aus Repertoire-Hits, Klassik-Raritäten und so viel an Zeitgenössischem, wie man mit knappem Budget eben riskieren kann. Was am Sonntagnachmittag im Konzerthaus konkret heißt, dass die treuen Symphoniker-Hörer erstmal mit einem Orchesterstück ns „Réminiscences“ von Dietrich Erdmann konfrontiert werden, bevor sie sich dann bei Mozarts A-Dur-Konzert entspannen können. Sowohl mit der Solistin Maria Littauer wie mit dem südamerikanischen Dirigenten Eduardo Marturet arbeitet das Orchester regelmäßig zusammen, mit Marturet haben die Symphoniker beispielsweise vor einigen Jahren eine sehr schöne, warmherzig romantische Gesamtaufnahme der Brahms-Sinfonien produziert. Und da im zweiten Teil nach Mendelssohns „Meeresstille und glückliche Fahrt“ als Hauptstück Elgars schwer brahmselnde Enigma-Variationen anstehen, darf man einen guten Saisonstart erhoffen.

Dass das Berliner Sinfonie-Orchester am Donnerstag daselbst mit Mahlers Vierter und einer Ravel-Ausgrabung nachzieht, hat ebenfalls Signalcharakter: Steht Ravels frühe Rompreis-Kantate „Myrrha“ für den programmprägenden Entdeckergeist von Konzerthaus-Intendant Frank Schneider, sind die Mahler-Interpretationen seit jeher die wichtigste Trumpfkarte von BSO-Chefdirigent Eliahu Inbal. Und die „himmlischen Freuden“, von denen im Schlusssatz der Vierten die Rede ist, sind schließlich auch kein schlechtes Saison-Versprechen.

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