Kultur : Sotto voce

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Jörg Königsdorf freut sich auf

ein Gratiswochenende der Staatsoper

Man möchte nur zu gern glauben, dass an der Lindenoper ein Sinneswandel eingetreten ist: Zog das Barenboim-Haus in der letzten Saison noch durch seine touristenorientierte Hochpreispolitik massive Kritik auf sich, setzt die Eröffnung der neuen Saison an diesem Wochenende ein diametrales Zeichen. Denn auch wenn sich an der normalen Preisstruktur nichts ändert, zum Start wenigstens gibt es Oper zum Nulltarif: Am Sonntagabend als Live-Übertragung der spektakulären Doris-Dörrie-Inszenierung von Mozarts „Così fan tutte“ auf dem Bebelplatz und am Sonnabend und Sonntag um 21 Uhr 30 sogar ganz leibhaftig: Mit der Aufführung von Strawinskys putziger Folklore-Kurzoper „Mavra“ auf einem Lastwagen leitet die Staatsoper zugleich eine behutsame Umorientierung und Abspaltung des Markenns „Staatsoper“ vom zusehends baufälligeren Haus Unter den Linden ein. Vier „Satelliten“ genannte Kleinproduktionen bringen Oper unters Volk, während der Betrieb im Haupthaus gewissermaßen mit angezogener Handbremse läuft – die „großen Premieren“ der Lindenoper etwa sind alles Stücke, die sich auch ohne komplexen Technikeinsatz bewältigen lassen.

Der Konkurrenz von der Deutschen Oper hat man mit diesem Eröffnungswochenende (zu dem noch ein von Barenboim, Nagano und Michael Gielen dirigiertes Eröffnungskonzert am Sonnabend und eine Matinee Barenboims mit jungen Musikern aus Palästina und Israel am Sonntag gehören) ohnehin ein Schnippchen geschlagen. Die Saisoneröffnung an der Bismarckstraße am gleichen Tag wirkt dagegen ziemlich muffig: Wieder einmal muss die Uralt-„Tosca“ von Boleslaw Barlog herhalten. Angesichts der reichlich heruntergekommenen ideellen wie materiellen Reste der Inszenierung von 1969 ist sie das wohl denkbar ungeeignetste Stück, um Aufbruchstimmung zu vermitteln oder ein Signal für die neue Saison zu setzen. Zumal am Sonnabend nicht einmal eine Gala-Besetzung am Start ist, die dem Publikum den Mund auf die kommenden Belcanto-Freuden (die die Saison ja durchaus zu bieten hat) wässrig machen könnte.

Aber es muss ja nicht gleich eine Riesen-PR–Aktion nach Staatsopernart sein. Es würde ja schon reichen, die neue Spielzeit mit ein, zwei Aufsehen erregenden Stars oder einer Premiere zu eröffnen, um sich das notwendige Echo zu verschaffen. So jedenfalls macht es die Komische Oper, die am 8. September mit einer neuen „Verkauften Braut“ in die Ära Homoki startet. Von jetzt an, sagt der neue Chefregisseur, würde an der Komischen Oper jede Spielzeit mit einer Premiere eröffnet werden, „damit die Leute auch merken, dass wir wieder da sind“. Und damit hat er wohl auch Recht.

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