Kultur : Sotto voce

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Jörg Königsdorf leistet

öffentlich Abbitte

Da sage noch einer, die Berliner Kulturinstitutionen bewegen sich im Schneckentempo. Im Gegenteil, manchmal ändern sich Dinge offenbar schneller, als man es merkt. Vor zwei Wochen wurde an dieser Stelle die Garderobengebühr in der Philharmonie beklagt, was nun postwendend korrigiert werden muss: Die beanstandete Gebühr gibt es zwar immer noch, aber nicht für die Konzerte der Philharmoniker und die Eigenveranstaltungen in Philharmonie und Kammermusiksaal. Berappen muss man lediglich bei Gastveranstaltungen – und auch das soll, versichert die Philharmonie, spätestens mit Anbruch der nächsten Saison ein Ende haben. Na wunderbar, bleibt nur zu hoffen, dass (so wünschten es sich wenigstens einige Leserbriefschreiberinnen) auch die Studenten, die bislang noch ihre Sitzumgebung mit Jacken und Mänteln vollstopfen, das Gratisangebot wahrnehmen.

Möglichkeiten, den Service zu testen, bieten sich natürlich reichlich, laut Philharmonie ist die Garderobenabgabe auch bei den Wettbewerbsveranstaltungen des Grand Prix Emanuel Feuermann im Kammermusiksaal kostenfrei. Zwar ist dieser erstmalig stattfindende große Cellowettbewerb eine Fremdveranstaltung, aber die Räume wurden so spät angemietet, dass schon die neuen Usancen gelten. Mit dem Contest wird Berlin noch ein Stück mehr musikalische Weltstadt: Denn ein Wettbewerb von internationaler Ausstrahlungskraft fehlte hier bislang. Auf die Jungcellisten, die sich die mit David Geringas, Boris Pergamentschikow und anderen Meistercellisten bestückte Jury per Video ausgesucht hat, darf man neugierig sein. Und es lohnt sich, nicht nur die Finalrunde mit dem Ensemble Oriol am Mittwoch, sondern auch die beiden vorhergehenden Runden am Sonntag und Montag anzuhören. Denn wer solche Wettbewerbe kennt, weiß eines sicher: Es sind gar nicht immer die besten, die am Ende auf dem Siegertreppchen stehen.

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