Sound-Installation im Haus der Kulturen : Kindermund tut Wahrheit kund

Die Künstlerin Smadar Dreyfus hat über zwei Jahre Tonaufnahmen in israelischen Schulen gemacht. Ihre Installation "School" versetzt den Besucher mitten in den Unterricht und den Alltag eines unter Hochspannung stehenden Landes.

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Arbeitsgerät. Mit einem komplizierten Mikrofon-System nahm Smadar Dreyfus in den Schulklassen die Gespräche zwischen Schülern und Lehrern auf. Foto: Smadar Dreyfus
Arbeitsgerät. Mit einem komplizierten Mikrofon-System nahm Smadar Dreyfus in den Schulklassen die Gespräche zwischen Schülern und...Foto: Smadar Dreyfus

Spätestens mit der Documenta X von Catherine David vor 16 Jahren war es evident: Kunst und Dokumentation bilden eine neue Allianz. Längst hat sich daraus eine eigene Kunstform entwickelt, die auf den Biennalen der Welt zu Hause ist: Filme, Fotografien von Krisengebieten oder nur die Konstatierung von Gegebenheiten gehören zum Inventar jeder internationalen Ausstellung. Eine eher seltene Form aber ist die Dokumentation von Sound, wie sie Smadar Dreyfus mit ihrer Installation „School“ im Haus der Kulturen der Welt präsentiert (bis 14. 7.).

Ihr Beitrag bildete den Ausstellungsteil des „Berlin Documentary Forum 3“ Ende Mai. Wieder trafen sich hier, wie schon vor zwei und vier Jahren, Experten, um diese Form der Wirklichkeitserfassung in der Kunst zu diskutieren. Nur noch heute und Montag ist die Installation der in London lebenden israelischen Künstlerin zu sehen, genauer: zu hören. Sie bleibt Berlin zwar erhalten, denn sie geht voraussichtlich als Schenkung an den Hamburger Bahnhof, aber bevor die komplizierte Anlage erneut aufgebaut wird, dürfte eine Weile vergehen.

„School“ ist der akustische Nachbau von Unterrichtsstunden an israelischen säkularen Schule, in jedem der sieben Räume wird ein anderes Fach gelehrt. Der Besucher taucht in den Wechsel der Stimmen von Lehrern und Schülern ein und befindet sich mitten in den heftigsten Debatten, etwa in Staatsbürgerkunde. Dreyfus, die auch an der Rohkunstbau-Ausstellung auf Schloss Roskow beteiligt ist, erfasst etwa den Moment, wo eine Klasse darüber diskutiert, wer Jude ist. Auch noch jemand, der eine jüdische Mutter hat, aber zum Christentum konvertiert ist? Aus den Kindermündern sprechen Klugheit, Ressentiments, die Realität einer zum Zerreißen gespannten Gesellschaft. Plötzlich ist sie greifbar nah.

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