Soundcheck Award-Verleihung : James Blake für "Overgrown" ausgezeichnet

Der britische Musiker James Blake wurde mit dem Soundcheck Award von Radio eins und Tagesspiegel für sein Album "Overgrown" ausgezeichnet. Ein neues ist schon in Planung verrät er im Interview.

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Soundcheck Award-Preisverleihung in London. Andreas Müller, Nadine Lange und James Blake.
Soundcheck Award-Preisverleihung in London. Andreas Müller, Nadine Lange und James Blake.Foto: Universal

Im Vorgarten des unauffälligen Reihenhauses im Londoner Stadtteil Brixton liegen Paletten, Isoliermaterial und eine ausrangierte Toilettenschüssel. James Blake renoviert. Gerade stand der knapp zwei Meter große Musiker noch auf einer Leiter, jetzt nimmt er von Soundcheck-Moderator Andreas Müller und Tagesspiegel-Kulturredakteurin Nadine Lange in einem nahe gelegenen Park den Soundcheck Award für das beste Album des Jahres 2013 entgegen: ein vom New Yorker Künstler Otto Steininger entworfenes Plakat, von dem es nur ein Exemplar gibt.
„Das ist wirklich schön“, sagt Blake und mustert das in Blau und Schwarz gehaltene Motiv mit einem stilisierten Blake-Porträt sowie einer Silhouette des Musikers. Der 25-Jährige trägt zufällig farblich passend eine dunkelblaue Jeans und ein schwarzes Sweatshirt. Er hatte sich vor dem Treffen bereits Arbeiten von Steininger im Internet angesehen und ist sichtlich erfreut über die Ehrung, die er für sein zweites Album „Overgrown“ erhält. Für das hypnotisch-emotionale Werk ist er zudem mit dem britischen Mercury Award ausgezeichnet worden. Der deutsche Preis bedeute ihm ebenfalls viel, denn er werde in einem ähnlichem Geist vergeben, sagt er. Einen Platz für den Soundcheck Award hat er bereits im Sinn. Er möchte ihn in seinem neu eingerichteten Heim-Studio aufhängen: „Passt farblich perfekt zur Wand.“

James Blake nimmt Soundcheck Award entgegen
Unterwegs zu James Blake. Soundcheck-Moderator Andreas Müller mit dem verpackten Award.Alle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: Nadine Lange
08.05.2014 09:45Unterwegs zu James Blake. Soundcheck-Moderator Andreas Müller mit dem verpackten Award.

Mister Blake, „Overgrown“ ist vor etwas mehr als einem Jahr erschienen. Wie lief es seither?

Ich bin sehr zufrieden. Mit dem Album habe ich mir ein bisschen Zeit gekauft, um mich auszuruhen, wobei ich das gar nicht wirklich mache. Ich werde schon ziemlich bald ein neues Album herausbringen. Denn ich habe festgestellt, dass das Tempo inzwischen einfach zu hoch ist, um sich zwei Jahre zurückzulehnen und an neuem Material zu arbeiten.

 Heißt „ziemlich bald“ noch dieses Jahr?

Ja. Ich fand es sehr spannend, zu sehen, dass jemand wie Drake einfach einige Tracks schon vor der Veröffentlichung als Download zur Verfügung stellte. So hatten viele Leute bereits einen Vorgeschmack, als das Album dann erschien. Das erscheint mir eine Weise Musik herauszubringen, die mehr Spaß bringt.

 Planen Sie ein ähnliches Vorgehen?

Das weiß ich noch nicht. Es geht mir auch mehr um die Eile und das Bestreben nicht zu stagnieren, weiter zu gehen.

 Setzt Sie das nicht ganz schön unter Druck?

Ja, schon. Doch es ist wie in der Schule: Wenn eine Prüfung oder ein Abgabetermin anstand, hat es mich dazu gebracht, endlich was zu tun. Wenn ich mir selbst zu viel Zeit für die Musik gebe, langweilen mich die Ideen, mit denen ich herumprobiere, irgendwann. Sechs Monate an einem Song zu werkeln, kann ermüdend sein. Es ist besser etwas herauszubringen, wenn es noch heiß ist.

 Nochmal zu „Overgrown“: Was empfinden Sie verglichen mit ihrem Debüt als ihre größte Leistung auf dem Album?

Der Song „Retrograde“. Es ist mein populärstes Stück und gleichzeitig mein Lieblingslied. Oft sind Künstler ja genervt davon, ihren beliebtesten Song immer wieder spielen zu müssen, aber bei mir ist das nicht so.

 Hören sie sich das Album manchmal noch an?

Ich höre mir „Retrograde“ an, um mich daran zu erinnern, Songs zu schreiben, die ich gerne singe. Denn unbewusst schreibe ich oft eher abstrakte Sachen, die man nicht so flüssig singen kann wie „Retrograde“.

 Ihre Musik lässt sich schwer einem Genre zuordnen. Die Bezeichnungen reichen von Dubstep-Songwriter bis hin zu Soul. Wie würden Sie Ihre Musik nennen?

Mit einem Wort kann und will ich mich nicht einordnen. Dass ich zum Dubstep gezählt wurde, hing damit zusammen, dass viele Journalisten anfangs überhaupt nicht wussten, was das eigentlich ist. Sie gingen gar nicht in die Clubs, wo diese Musik lief. Von anderen Journalisten übernahmen sie den Begriff und bezeichneten meine Musik dann als Dubstep plus Song. Ich musste darüber lachen, denn ich weiß, was Dubstep ist, und 99,9 Prozent meiner Musik gehört nicht dazu. Aber natürlich liebe ich Dubstep, es eine der besten musikalischen Entwicklungen der letzten zehn Jahre.

 Bei Ihnen muss man teilweise auch eher an Klassik als Referenz-Größe denken. Das Stück „DLM“ erinnert zum Beispiel an Schubert. Gibt es da Einflüsse?

Ja, auf jeden Fall. Klaviermusik hat mich beeinflusst. Schubert habe ich in der Schule studiert. Orgelmusik, Bach und von Bach beeinflusste Jazz-Pianisten wie Art Tatum sind auch wichtig. Aber ich komponiere nicht im herkömmlichen Sinne. Das gesamte Album ist am Klavier improvisiert und später bearbeitet. Das ist eine gut Weise, ehrliche, spontane Melodien und Akkorde zu finden.

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