SOUNDCHECK : CD-Neuerscheinungen

Soundcheck: Jeden Freitag stellen wir die CDs der Woche vor. Heute mit den neuen Platten von Lianne La Havas, Daniel Romano, Blind Idiot God und Fly Golden Eagle. Hören Sie rein!

Lianne La Havas
Lianne La HavasFoto: ANP

Lianne La Havas: Blood (Warner Music International)

Eine Reise in die eigene Vergangenheit, also nach Jamaika, wo Lianne La Havas’ Mutter herstammt, hat die britische Musikerin zu ihrem zweiten Album inspiriert. Die Reise war eine positive Erfahrung und hat der 25-jährigen Londonerin viel Selbstbewusstsein gegeben. Und so klingt ihr neues Neo-Soul-Album energetischer, spielerischer, kraftvoller, weniger süß und angenehm aggressiv. Elissa Hiersemann

Daniel Romano: If I’ve Only One Time Askin (New West Records / Pias)

Der 30-jährige Kanadier macht auf seinem viertem Album Country Music ohne viel Nashville- Zuckerguss und gilt deshalb als „real“. Er wird sich darüber bewusst sein, dass er mit seinem neotraditionellen Ansatz in großen Spuren wandelt. Mit Meistern wie Hank Williams oder Willie Nelson kann er sich nicht messen. Dwight Yoakam, an den Romano auch gesanglich erinnert, ist schon eher seine Gewichtsklasse. Mäßig originell, eckenweise charmant. Eher was für die Jugend Helmut Heimann

Blind Idiot God: Before Ever After (Indivisible)

Heavy Metal trifft Ligeti trifft Free Jazz trifft Dub. Diesen höllischen Mix rührten Blind Idiot God 1987 auf ihrem bis heute umwerfenden Debütalbum an. Das Trio um Gitarrist Andy Hawkins ging dann leider an der New Yorker Avantgarde Szene unter und blieb die letzten 23 Jahre stumm. Nur Hawkins ist auf dem monströsen Comeback-Album von der Originalbesetzung dabei. Seine Gitarre prägt den alles vernichtenden Sound, der nichts von seiner Brutalität und Bedeutung verloren hat. Andreas Müller

Fly Golden Eagle: Quartz Bijou (ATO/Pias)

Verzerrte Gitarren treffen auf verzerrte Wahrnehmung. Für den europäischen Markt hat das Hänger-Quartett aus Nashville, Tennessee, sein eigentlich 26 Stücke umfassendes psychedelisches Rock-’n’-Roll-Monster „Quartz“ auf weniger als die Hälfte zusammengestampft. Klingt mal schleppend-scheppernd, mal aufmuckend radauig, auf jeden Fall stets energetisch. Macht Spaß und lässt einen leicht mitschwitzen. Frontmann Ben Trimble hat in seiner Jugend viel Doors und T.Rex gehört – thematisch ließ er sich für das Album vom 1973er-Avantgardefilm „The Holy Mountain“ inspirieren, in dem ein nackter Jesus ganz viele Jesus-Puppen kaputt haut. Wie gesagt: schwer angedrogt, das alles. Sebastian Leber

Neue Alben, Konzerte, Club-Adressen: www.tagesspiegel.de/pop

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