Soundcheck : CD-Neuerscheinungen

Jede Woche stellen vier Popkritikerinnen und -kritiker CDs der Woche vor. Diesmal mit Tom Jones, St. Germain, John Grant und Die Nerven. Ab 21 Uhr im "Soundcheck" auf Radio eins.

Sänger Tom Jones
Sänger Tom JonesFoto: Promo

Tom Jones: Long Lost Suitcase (Caroline)

Alterswerke verdienter Veteraninnen und Veteranen gehören inzwischen zum Standard eines Pop-Universums, dessen Sonnen allmählich verglühen. Da zählen Boni des Mitgefühls kaum noch. Im Falle von Tom Jones dritter auf Albumlänge vorliegender Altersteilzeitbeschäftigung ist das auch gar nicht nötig. Der rüstige Tiger singt sich mehr als passabel durch ein fein ausgewähltes Folk-Blues-Repertoire, das durchaus überrascht. Andreas Müller, Moderator

St. Germain: St. Germain (Parlophone)

Lauscht man dem ersten St.-Germain-Album seit 15 Jahren, wippt langsam ein Fuß zu den langsamen Beats und ein wenig Freude kommt auf über die saubere Produktion, die traditionelle malische Musik mit Electro verbindet. Allerdings handelt es sich um ein sehr rückständiges Werk: St. Germain ist komplett stehen geblieben in der Chill-out-Ethno-Downbeat-Kaffeehaus-Ära. Martin Böttcher, Musikjournalist

John Grant: Grey Tickles, Black Pressure (PIAS)

Auch sein drittes Album ist ein Befreiungsschlag: Aufgewachsen im zentralen Westen der USA hat John Grant keinen leichten Stand gehabt als schwuler Teenager. Wortgewandt und bissig blickt der 47-Jährige auf destruktive Zeiten zurück: auf Drogenkonsum, Alkoholsucht und verantwortungslosen Sex. Auch die große Umarmung und die großen Gesten fehlen auf diesem Album nicht. Facettenreicher Pop. Schlau, aber unnahbar. Steen Lorenzen, Radio eins

Die Nerven: Out (Glitterhouse)

Wenn man den Szene-Hype um das Trio aus Stuttgart betrachtet, könnte man glauben, es hätte noch nie akzeptable deutsche Noiserock-/Postpunk-Bands gegeben. Hat es aber. Und so viel anders oder gar besser als vor 20 Jahren Mutter, Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs oder die frühen Notwist klingen Die Nerven auch wieder nicht. Solide Sache, sensationell ist es nicht. Jörg Wunder, Tagesspiegel

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