Soundcheck : Die Pop-Alben der Woche

Jede Woche stellen vier Popkritikerinnen und Popkritiker in der Radio-eins-Sendung "Soundcheck" ab 21 Uhr die Alben der Woche vor. Diesmal mit neuen Platten von Dinosaur Jr., Family 5, Billy Talent und JaKönigJa. Eine Vorschau.

Die Rocker von "Dinosaur Jr."
Die Rocker von "Dinosaur Jr."

Dinosaur Jr: Give A Glimpse Of What Yer Not (Jagjaguwar)

Smells like 1989. Da stehen sie wieder, die Gitarrenwände, da klagt – wie einst – die Stimme waidwund, und unermüdlich steigen Melodien aus dem Krach empor. Der Bostoner Gitarrengott J. Mascis und seine wieder in Originalbesetzung spielenden Junior Dinosaurier sind ergraut und denken gar nicht daran, der Musikgeschichte Neues hinzuzufügen. Als Grunge-Großväter müssen sie das auch nicht und spielen das, was sie können: überwältigenden Rock ’n’ Roll.

Andreas Müller, Moderator

Family 5: Was zählt (Tapete Records)

Es gibt sie, diese eigenartigen Bands, für die sich kaum jemand interessiert, wenn sie entstehen und die wachsen, wachsen und – tja. Seit 35 Jahren gibt es Family 5, eine Soulpunkband aus dem Fehlfarben-Umfeld in Düsseldorf. Viel haben sie nie veröffentlicht. Als sie 1981 von Xao Seffcheque und Peter Hein gegründet wurden, tobte gerade die NDW. 1991 gingen sie auseinander, 2004 kamen sie wieder zusammen. Nun gibt es ein neues Album „Was zählt“. Immer noch geil? Immer noch wichtig? Zählt es?

Tobias Rapp, Der Spiegel

Billy Talent: Afraid of Heights (Warner)

Nach vier Jahren kreativer Auszeit definieren die Musiker aus der kanadischen Großstadt Mississauga in 12 Songs Stadionrock für die Neuzeit. Ihr sechstes Album ist der Versuch, den Rockandroll vor der Irrelevanz im DJ-Zeitalter zu retten. Die Chance, dabei hoffnungslos zu scheitern, ist ihnen bewusst, aber Aufgeben ist keine Option für eine Band, die immer positiv voranschreitet. Die letzte Platte „Dead Silence“ war in Deutschland ein Nr.-1-Hit. Und das neue Album wird zum Manifest der Selbstbehauptung.

Martin Rabitz, Trinity

JaKönigJa Emanzipation im Wald (Buback)

„Bin auf blutigen Knien nach Haus gekrochen und hab dort Heidekraut erbrochen.“ Auf ihrem ersten Werk seit acht Jahren begeht das Hamburger Musikerpaar Durstewitz Stadtflucht. Ihre Reise ist voller musikalischer Wunderlichkeiten und Rafinesse, nimmt unvorhersehbare Abzweige, lässt einen immer wieder staunen. Eskapismus am Abgrund. Und sang jemals einer lieblicher über Selbstbestäubung? Veteranen-Band, verspielt wie ein junger Hund.

Sebastian Leber, Tagesspiegel

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