Kultur : SOUNDTRACK

Jörg W,er

BROKEN FLOWERS Decca/Universal. Es hat wenig Sinn, nach Tonträgern von Mulatu Astatke zu suchen: Originalschallplatten werden von Sammlern und DJs gehütet wie Kronjuwelen, CDs sind derzeit nicht erhältlich. Das könnte sich bald ändern: Jim Jarmuschs melancholisches Roadmovie „Broken Flowers“ dürfte den Stücken des äthiopischen Jazzmusikers einen Nachfrageschub verpassen. Jedesmal, wenn Bill Murray als Zeitreisender zu einer seiner verflossenen Lieben fährt, hört er im Mietwagen eine von seinem Nachbarn zusammengestellte CD mit wehmütiger, Trost spendender Musik. Die aus den späten Sechzigern stammenden Instrumentals mit Titeln wie „Yegelle Tezeta“, „Gubelye“ und „Yekermo Sew“ klingen auf faszinierende Weise zugleich exotisch und vertraut. Sie verbinden Ostafrikanisches und Karibisches mit dem Funk von New Orleans und urbanem Jazz. Angetrieben von einem pulsierenden Beat und unterstützt von hymnischen Bläsersätzen, WahWah-Gitarren und Saxofon-Arabesken, orgelt sich Mulatu Astatke in minimalistische Hammond-Räusche hinein. Auch nach über 30 Jahren hat diese Musik nichts von ihrem utopischen Potenzial eingebüßt. Nicht mal Bill Murray kann sich ihrer beseligenden Wirkung vollständig entziehen. Der Rest des Soundtracks zeugt von Jarmuschs erlesenem Geschmack – darunter das ergreifende, von der britischen Indie-Ikone Holly Golightly mit zauberhaftem Charme gesungene „There Is An End“. Das musikalische Herz dieses Films aber schlägt in Äthiopien.

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