Kultur : Space-Rock: Raumschiff Nadeldrucker

Volker Lüke

"Hallo-Hallo. Hier spricht Tornado X-13. Wir empfangen soeben Signale von der Venus, die sich wie Orgelmusik anhören. Es ist somit möglich, dass es auf der Venus Lebewesen gibt" - so beginnt die eingedeutschte Version des Hits "Life on Venus" der Tornados, für die sich der Weltraum-Experte und geniale Tüftel-Produzent Joe Meek Anfang der sechziger Jahre eine schmissige Instrumentalmusik ausdachte. Daraus entwickelte sich dann sogar eine ganze Musikform, die man später als "Space-Rock" bezeichnete. Noch heute gibt es in der unendlichen Weite des popmusikalischen Universums tatsächlich Leute, die sich auf den Spuren des irren Joe Meek für Science-Fiction-Themen begeistern.

Ganz vorne mit dabei sind in dieser Hinsicht "Man Or Astro-Man" aus Alabama. Seit gut neun Jahren rettet die Band den Surf-Stil der sechziger Jahre mittels digitaler Sampling-Technik und einem Hauch Radikalität in die Jetzt-Zeit und ist dabei nicht nur zu einem erklärten Liebling von John Peel geworden. Die Verbindung vom klassischen Reverb-Gitarrensound und hartem Noise-Rock funktioniert bei den Amerikanern immer besser. Beim Konzert im Knaack-Club haben sich "Man or Astro-Man" irgendwann so in Hitze gespielt, dass sogar das Theremin - eine Art prähistorischer Syntheziser - Feuer fängt. Ein weiterer Höhepunkt des Abends ist die Premiere eines Nadeldrucker-Songs, bei dem das vorprogrammierte Gerät fiept und rattert, dass es ganz futuristisch-funky klingt. Dann wird wieder gerockt, es zerrt und fiept die Gitarre vor einer sprühenden Kulisse von Ideen, die den Sound von "Outer Space" beisteuern und zu denen man umso härter abwiggeln kann.

Noch einen drauf setzen die mutantenhaften Roboter-Chöre und gesampelten Original-Schnipsel aus Billig-Science-Fiction-Streifen, die sich vernuftbegabte Wesen kaum länger als drei Minuten anschauen würden. Kenner der Materie aber wissen sie ebenso zu schätzen wie das rätselhafte Jaulen einer plastikgebauten Laserkanone - Polterklasse 1 mit erhöhtem Ballerfaktor und Befremdungsgarantie.

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