Kultur : Späte Ehre

Im Panorama: „Getting the Man’s Foot Outta Your Baadasssss!“

-

Um hier nichts durcheinander zu bringen: Der Film, von dem diese Rezension handelt, heißt – Vorsicht! – „Getting the Man’s Foot Outta Your Baadasssss!“ (mit fünf S am Ende und Ausrufezeichen). Der Film, dessen Entstehungsgeschichte darin verfilmt wird, trägt den Namen: „Sweet Sweetback’s Baadasssss Song“ (mit einigen S mehr und ohne Ausrufezeichen). Ersterer entstand 2003, der andere 1971. Der Regisseur des Films mit dem Ausrufezeichen heißt Mario van Peebles. Der Mann, der den Film ohne Ausrufezeichen gedreht hat, nennt sich Melvin van Peebles. Der eine ist der Sohn, der andere der Vater. Die Sache ist kompliziert.

Das Ansinnen des Films dagegen lässt sich einfach auf den Punkt bringen: Der Regisseurssohn errichtet seinem Regisseursvater ein Regisseursdenkmal. „Getting the Man’s Foot...“ erzählt davon, wie Marios Vater als einsamer afroamerikanischer Ritter auszog, um sich heroisch dem Drachen des weißen HollywoodEstablishments entgegenzuwerfen. Melvin van Peebles war wütend. Auf den Rassismus in den USA, die Benachteiligung schwarzer Filmemacher und all die geknechteten Onkel-Tom-Neger im Hollywood-Kino. „Sweetback“ war seine Kriegserklärung. Und ein Sensationserfolg. Das Blaxploitation-Kino hatte seinen Urtext.

Mario van Peebles spielt in seinem Film-über-den-Film die Rolle seines Vaters. Das ist konsequent – unter anderem weil er selbst als Kind in die Dreharbeiten verwickelt war. Der Vater nahm den damals 13-Jährigen offensichtlich recht hart ran. Das thematisiert der Sohn mit kritischem Blick. Ansonsten lässt Mario die Legende vom kompromisslosen Künstler unberührt. Sein Film ist harmlos im Vergleich zur Radikalität des Vorgängers. Statt dessen hat er einfach eine Hommage gedreht, die bewegend, unterhaltsam und verdammt lässig ist. Und weil das alles so schön ist, setzen wir dahinter ein großes Ausrufezeichen!juh

Heute 21.30 Uhr (Zoo Palast), 10.2. 14 Uhr (Cinemaxx 7), 12.2. 17 Uhr (International)

0 Kommentare

Neuester Kommentar