Kultur : Späte Pflaumen

Bodo Mrozek

geht auf einen Trip in die Vergangenheit Irgendwo, weit im Westen, liegt die Insel Elysion, auf der die Seligen ein glückliches Leben fristen. Wo sie zu finden ist, weiß man nicht. Lethe, der reißende Strom des Vergessens umspült sie.

So auch in der Popmusik. Lange richtete sich die Sehnsucht auf den fernen Westen, in dem auch die Electric Prunes erschienen. An der kalifornischen Küste nahmen 1965 vier langhaarige Jungs ein paar Lieder auf. Schon für ihre zweite Single, „Get Me To The World On Time“, verehrte man sie wie Götter. Es war das Jahr, als man flüssige Substanzen noch unbefangen einnahm. Es eröffnete sich eine wundersame Welt aus Farben und Licht. Es entstand eine Musik , die wie Perlenvorhänge klirrte und waberte wie eine Lavalampe. Die Prunes mischten die Klänge mit dem alten Blues, doch nach zwei gefeierten LPs und ihrem zweiten Charts-Hit „I Had Too Much To Dream“ riss der Strom des Vergessens sie fort.

Heute ist die Psychedlic-Szene wieder wohlauf. Im Stillen entwickelten neue Bands die Musik weiter und haben wieder viele junge Fans, wie die Konzerte der Berliner Band Liquid Visions regelmäßig beweisen. Ihr ist es zu verdanken, dass die nach Jahrzehnten wiederauferstandenen Electric Prunes heute im Stadthaus Böcklerpark (Prinzenstr. 1, Kreuzberg, 21 Uhr) erstmals in Deutschland zu hören sein werden. Junge Bands wie die Strange Flowers (Italien) werden den alten Herren aus Kalifornien ihren Respekt erweisen, und bei der Lightshow wird man sich vorkommen wie in Jack Nicholsons apokryphem Zeitgeistfilm „Freak Out“. Die Tanz fläche bewabern dann die DJs von Sense-O-Rama . Da braucht es zum Glück keine obskuren Substanzen mehr – das haben unsere Eltern schon für uns erledigt.

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