Kultur : Spätestens 1999 wird das Jüdische Museum selbständige Stiftung

Das Jüdische Museum in Berlin, bislang eine Hauptabteilung der Stiftung Stadtmuseum Berlin (SSMB), wird innerhalb dieser Legislaturperiode, die 1999 endet, als selbständige Stiftung errichtet.Darüber haben sich der Regierende Bürgermeister Diepgen, Museumsdirektor Blumenthal und Kultursenator Radunski - vorbehaltlich der Zustimmung durch das Abgeordnetenhaus - geeinigt.In der Übergangszeit soll das Museum als unselbständige Stiftung geführt werden, über alle eigenen Angelegenheitenjedoch bereits eigenverantwortlich entscheiden.Bei der in diesem Jahr anstehenden, dem Parlament "unverzüglich" vorzulegenden Gesetzesänderung zur Erichtung einer unselbständigen Stiftung soll "das Ziel der Errichtung einer selbstständigen Stiftung gesetzesfest verankert werden".

Bei der Vorstellung dieser Vereinbarung vor Journalisten sagte am Mittwoch Michael W.Blumenthal, eine Expertenrunde habe am Wochenende Ideen zur Gestaltung des Museums ausgetauscht.Man stimme überein, daß der Libeskindbau eine aufregende Ausstattung fordere, die nur etappenweise, in maximal sieben Jahren, zu realisieren sei.Der ganze Weg der Juden in Deutschland, von den Anfängen bis heute ("die Geschichte hört nicht auf") sei darzustellen, zentraler Ausgangspunkt bleibe Berlin.Da es hierfür kaum Exponate gebe, müsse man ein erzählendes Museum "für das nächste Jahrhundert" entwickeln, mit Hilfe von Repliken, Film und interaktiven Medien.Zu der Tagungsrunde am Wochenende, von der mancher Berliner Experte sich ausgeschlossen fühlte, gehörten neben Blumenthal: aus Berlin Bodo Baumunk (Berliner Festspiele), Inka Bertz und Hellmuth Braun (Jüdisches Museum), Daniel Libeskind, Reinhard Rürup (Topographie des Terrors); aus den USA Emily Bilski (Jüdisches Museum NY), Barbara Blumenthal (Princeton), Tom Freudenheim (YIVO Institute, NY); sowie der Ausstellungsmacher Jeshajahu Weinberg (Tel Aviv), Monika Richarz (Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg), Felicitas Heimann-Jelinek (Jüdisches Museum Wien), der Architekt Stephen Greenberg (London) und Michael Brenner (Lehrstuhl für Jüdische Geschichte, München).Er werde weitere Berater heranziehen, kündigte Blumenthal an.Nur der 80jährige, außerordentlich aktive Weinberg ("Den muß man festbinden!") habe bislang einen Beratervertrag, werde regelmäßig in Berlin präsent sein.

Auf die Journalistenfrage nach den Vor- und Nachteilen von selbständig / unselbständiger Stiftung räumte Blumenthal ein, das letztere, sein Museum in die SSMB einbindende Modell sei "verkrampft" und "umständlich".Gleichwohl komme er mit dem Generaldirektor der SSMB, Reiner Güntzer, gut aus.Über Sammlungsobjekte müsse man sich nicht streiten: "Wenn wir sie brauchen, leihen wir sie aus.Wenn das Märkische Museum Interesse an einer Sache hat, machen wir sie zusammen, wir sind doch keine Feinde." Nach einer Verselbständigung des Jüdischen Museums müsse im Stadtmuseum mit Sicherheit keine Jüdische Abteilung gegründet werden, wie geunkt worden sei, denn "das ist unsere Aufgabe", anderslautende Parolen seien "Unsinn" und "Gerede".Über den Altbau des Stadtmuseums, das mit dem neuen Libeskindbau verbundene, barocke Kollegienhaus, könne er jetzt nichts sagen." Auf die Frage, ob nicht dem Generaldirektor Güntzer dieses Gebäude nach dem jüngsten Umbau zu klein geworden sei, reagierte Blumenthal zurückhaltend: falls Generaldirektor Güntzer meint, er brauche dieses Gebäude nicht, müsse man darüber reden.Derzeit verwalte und nutze man es gemeinsam.Dem Jüdischen Museum reiche der Libeskindbau, in ein paar Jahren vielleicht werde man "aus den Nähten platzen".Bis zum Herbst will Blumenthal eine Prozedur vorschlagen, wie der Bau bis zu seiner Eröffnung im Jahre 2000 "unter kontrollierten Bedingungen der Öffentlichkeit präsentiert" werden könnte; jetzt schon, beobachtet der Direktor, passieren täglich Touristenbusse das berühmte Gebäude.Konkrete Etatvorstellungen nennt Blumenthal nach wie vor nicht.Bei Sponsoren sei er noch nicht "mit dem Hut herumgegangen", auch wenn "auf allen Ebenen gesprochen worden sei".Vor einer konkreten Beteiligungszusage des Bundes müsse Berlin erklären, in welchem Ausmaß es sich engagieren werde.In Bonn wisse man, daß dies Museum zur Stadt gehöre und frage vorab: "Was wird die Stadt tun?" tl

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