Kultur : Spätsommer

Katrin Wittneven

gratuliert zu 90. Geburtstagen Für einen Moment scheint auf dem über fünf Meter breiten Diptychon ein Höllenvogel aufzublitzen – und hebt da nicht gerade ein düsterer Berggeist drohend die überlangen Arme? Bernard Schultzes Gemälde „Jean Paul’s Verwirrspiel“ (1992, 200000 Euro) vermag es, auch die Betrachter ein wenig durcheinander zu bringen – und zu begeistern: Gerade die großen Formate in der Berliner Galerie Zellermayer (Ludwigkirchstraße 6, bis 22. März) sind bereits verkauft. Der Altmeister des deutschen Informel zeigt vor allem Werke aus den letzten beiden Jahrzehnten. Kraftvoll-abstrakte Gemälde, bei denen die Farbe eigenständig zu wuchern scheint und dabei immer wieder surreale Wesen entstehen lässt. Wobei die Werke des dreimaligen Documenta-Teilnehmers in seiner „9. Dekade“, so der Titel der Ausstellung, zunehmend freundlicher werden: Lichtes Grün, warmes Rot, strahlendes Gelb dominieren das Bild „Ein Spätsommertag“ aus dem Jahr 2002 (13000 Euro), was zum Auftakt der Rundreise durch diejenigen Berliner Galerien, die momentan mit einer Ausstellung einen 90. Geburtstag feiern, vor allem hoffnungsvoll stimmt.

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An den im letzten Jahr in Berlin verstorbenen Maler Hans Laabs erinnert die Galerie Leo.Coppi mit Werken aus den letzten 15 Jahren (bis 19. März, Hackesche Höfe, Rosenthaler Straße 40/41). Wie Schultze wurde Laabs 1915 geboren, blieb künstlerisch aber eher dem Diesseitigen verbunden. Wobei seine federleichten Stillleben und luftigen Meeresansichten ihren Reiz gerade durch ihre bescheidene Schlichtheit und die lichte Farbigkeit gewinnen und mit Preisen zwischen 1500 und 4700 Euro bei den vielen Berliner Laabs-Liebhabern bereits punkten konnten.

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Auch die Berliner Bildhauerin Ingeborg Hunzinger blieb dem Figürlichen in ihrem Leben treu, ebenso ihren sozialistischen Idealen, von denen nicht nur die kleine Rosa-Luxemburg-Bronze in der Ausstellung erzählt (2900 Euro). Die Galerie am Gendarmenmarkt , ehemals Galerie am Wasserturm, zeigt am neuen Ausstellungsort Zeichnungen und Skulpturen der Künstlerin (bis 5. März, Taubenstraße 20), zu deren bekanntesten Werken die Steinarbeiten zum Protest der Frauen von Nazi-Verfolgten 1943 in der Rosenstraße zählen. Auch in der Ausstellung berühren die menschlichen Figuren, die ebenso kraftvoll wie bedroht wirken. Aktiv ist die Künstlerin, die in dieser Woche 90 wurde, bis heute. Es ist ihr Wunsch, die „Rosa“ noch einmal in groß zu gießen. Hoffentlich klappt’s!

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