Kultur : Spanische Gärten

Das Schleswig-Holstein Festival Orchester bei Young Euro Classic

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Da treffen sich rund 130 junge Musiker aus Europa und der ganzen Welt, um unter der Leitung des Dirigenten Christóbal Halffter in einer norddeutschen Scheune Musik zu machen. Und damit nicht genug: Das Schleswig-Holstein Festival Orchester spielt bei seinem Gastspiel im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt ein Programm, das in Sachen Europa nichts zu wünschen übrig lässt: Young, euro und klasse! Dabei bildet Heimatland des spanischen Dirigenten den inhaltlichen Rahmen.

Wir starten die musikalische Reise mit Richard Strauss’ Tondichtung „Don Juan“, die so exzellent gelingt, dass man Gänsehaut bekommt. Eine vom Dirigenten fein abgestimmte Energie des Streichersatzes bietet die Grundlage für hinreißend gespielte Bläsersoli. Selbst die minimalen Ungenauigkeiten in den leisen Tuttieinsätzen zeugen vor allem von musikalischer Risikobereitschaft. Mit Hallfters „Odradek“, einer „Hommage à Franz Kafka“ macht das Programm einen Schlenker über Prag. Der elegische Schluss des Orchesterstückes aber klingt nach Charles Yves und einem Gruß nach Nordamerika.

Endlich in Andalusien angekommen, befällt die Reisenden die Angst, die Fahrt könnte ein schlechtes Ende nehmen: Manuel de Fallas „Nächte in spanischen Gärten“ klingen klebrig wie plombenziehende Bonbons aus Granada. Auch der Pianist Homero Francesch wirkt der seichten Interpretation des Dirigenten nicht entgegen. Mit Halffters zweiter Komposition an diesem Abend allerdings geht es dann doch zurück zu den orchestralen Qualitäten des Konzertbeginns. „Halfbéniz – Divertimento für Orchester“ ist wieder eine Hommage: In diesem Stück führt der Komponist einen musikalischen Dialog mit dem spanischen Komponisten Isaac Albéniz; als Dirigent kann er noch einmal den Reichtum an Klangfarben und die rhythmische Genauigkeit seines Orchesters präsentieren.

Gäbe es eine olympische Disziplin für produktive internationale Zusammenarbeit, die Künstler und Organisatoren hätten eine Medaille verdient. Das Publikum jedenfalls ehrte die Musiker mit heftigem Applaus. Das Orchester bedankte sich mit einem Fetzer aus Gerónimo Gimenez’ Oper „La Boda de Luis Alonso“. Joscha Schaback

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