Kultur : Spanischer Klassiksommer: Auftakt in der Berliner Kulturbrauerei

Renate Hirsch

Die Zuhörer in der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg hatten etwas ganz anderes erwartet. Ein Abend mit spanischer Gitarrenmusik - darunter stellten sich die meisten feurige Tanzmusik vor. Stattdessen erklangen glasklare, klassische Töne von den Saiten des Spanish Art Guitar Quartets. Nur selten war das übliche Ratschen und Quietschen zu hören, wenn mehrere Töne mitschwangen. Zum Auftakt des ersten spanischen Klassiksommers stellten die vier deutschen Musiker mit dem englischen Gruppennamen und einem Faible für südliche Musik weniger bekannte spanische Werke des 19. und 20. Jahrhunderts vor. "Wir wollten etwas anderes spielen als die folkloristische spanische Musik. Diese ernste Gitarrenmusik ist in Deutschland kaum bekannt", erklärt Klaus Jäckle.

Wie wild Gitarrenmusik klingen kann, zeigten die Musiker mit dem "Tanz des erbosten Müllers" von Manuel de Fallas Ballett "Der Dreispitz". Im "Tanz der Nachbarn" dagegen kichern die Dorfbewohner über die untreue Müllerin und ihren Liebhaber. Zu den Höhepunkten des Abends gehörten Ausschnitte aus den Zarzuelas, der spanischen Antwort auf die Operette. Ihre Fingerfertigkeit bewiesen die vier Musiker in der Jota aus Tomás Bretón Zarzuela "La Dolores". Expressive Tonmalerei war auch in "La Oración del Torero", dem Gebet des Stierkämpfers, von Joaquin Turina, einer der bedeu tensten Guitarristen des 20. Jahrhunderts, zu hören: Die Angst vor dem Tod lag wie ein Zittern in der Luft. Kaum hörbar ließen die vier Gitarristen die Saiten vibrieren.

Der Applaus für das schwarz gewandete Gitarrenquartett mit den roten Halstüchern wollte nicht enden. Bis 30. Juli präsentiert der spanische Klassiksommer in den Innenhöfen der Kulturbrauerei noch Musik vom Mittelalter über die Romantik bis zum 20. Jahrhundert.

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