Kultur : Spar-Kultur

Die Sparpläne der Bundesregierung werden auch beträchtliche Einschnitte für die deutsche Kulturpolitik im Ausland zur Folge haben. Der Haushaltsentwurf, über den der Bundestag in der zweiten Septemberwoche in erster Lesung entscheiden wird, schreibt der auswärtigen Kulturpolitik im kommenden Jahr Einsparungen in Höhe von 47,6 Millionen Mark vor. Diese Summe wird bis zum Jahr 2003 schrittweise auf 57,6 Millionen ansteigen, die eingespart werden müssen. Wieviel von dieser Sparsumme auf die einzelnen Institutionen entfallen werden, sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht feststellbar, erklärte Werner Hoyer, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, im Gespräch dem Tagesspiegel. Auch sei nicht sicher, ob das Auswärtige Amt weitere Anteile seiner vorgeschriebenen Minderausgaben von insgesamt 270,4 Millionen Mark auf die Kulturinstitutionen umlegen wird.

Bis zur endgültigen Festsetzung der Verteilung werden die einzelnen im Ausland vertretenen Trägerinstitutionen jetzt gegenüber dem Bundestag als Lobbyisten in eigener Sache und damit in Konkurrenz zueinander auftreten. Zu ihnen gehören unter anderem die Goetheinstitute, der DAAD, Inter Nationes, die Humboldt-Stiftung, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Deutsche Welle und das Institut für Auslandsbeziehungen. Das Goethe-Institut, das bereits im vergangenen Jahr mit der Schließung von neun Auslandsinstituten die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, droht nun damit, bis zu 30 kleinere Einrichtungen in 28 Ländern aufzugeben, sollten Eichels Pläne durchgesetzt werden. Wenn aus einem Jahresetat von 360 Millionen Mark im kommenden Jahr ungefähr 15 Millionen eingespart werden müßten, wie den Münchnern bereits aus Bonn signalisiert wurde, gehe es nicht mehr nur um strukturelle Verschlankung. Damit werde die Gesamtstruktur zerschlagen, sagte der Pressesprecher des Goethe-Instituts, Franke, dem Tagesspiegel.

Enttäuscht äußerte er sich darüber, daß die in Aussicht gestellte Unterstützung durch die rot-grüne Regierung jetzt zugunsten der Sparpolitik ausbleibt. Joschka Fischer habe noch vor wenigen Monaten versprochen, "wie ein Löwe" für die Goethe-Institute zu kämpfen, so Bertold Franke, und auch Gerhard Schröder habe noch im Januar, als die Neueröffnung eines Instituts in Sarajevo anstand, betont, daß keine Institute geschlossen werden dürften. sbo

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