Kultur : Sparsam am Pedal - Zacharias und Zimmermann

Uwe Friedrich

Schon die ersten kreiselnden Figuren von Beethovens achter Violinsonate schrauben sich entschieden in die Höhe. Christian Zacharias macht am Klavier sofort deutlich, dass er nicht nur der demütig dienende Begleiter von Violinist Frank-Peter Zimmermann sein will, sondern auf der eigenständigen Rolle des Klavierparts besteht. Das abschließende Konzert des Beethoven-Zyklus der beiden Künstler im Kammermusiksaal der Philharmonie beginnt vielversprechend. Glasklar, fein durchhörbar und äußerst sparsam im Umgang mit dem Pedal, bringt Zacharias die musikalischen Themen ins Gespräch, nimmt Fäden wieder auf, treibt das Geschehen voran. Zimmermann reagiert mit rhythmisch konturiertem Spiel, drängt in den synkopierten Passagen nach vorne, um sich wieder zurückzunehmen, wenn das Klavier etwas zu sagen hat. Im zweiten Satz zeigen beide große Phrasierungskunst. Mit weit ausschwingenden Bögen schaffen sie die nötige Ruhe, um im bizarr torkelnden Schlusssatz effektvoll und farbenreich den bemerkenswerten Humor des Komponisten auszuspielen.

Diesen genauen Fokus auf das Werk verlieren die beiden allerdings bei der Kreutzersonate aus dem Blick. Schon die herrisch auffahrende Geste des Klaviers nach der Violineinleitung geht Zacharias im Ungefähren verloren. In dieser Sonate geht der Pianist auch großzügiger mit dem Pedal um, nun sind Achtelbewegungen mitunter schwerer zu hören als in der achten Sonate die vertrackten Sechzehntel. Zudem verzichten Zimmermann und Zacharias auf die Wiederholungen, mit fatalen Folgen für die Balance zwischen den Sätzen. Der zweite Satz wirkt plötzlich zu lang im Vergleich zu den Ecksätzen. Weder ist er Nachbereitung des ersten, noch Vorbereitung des dritten Satzes, vielmehr steht er als Fremdkörper zwischen den teilamputierten Gliedmaßen. Selbstverständlich spielen Zimmermann und Zacharias auch diese Sonate mit großen Momenten, doch es gelingt ihnen nicht, die musikalische Struktur der Kreutzersonate so zwangsläufig erscheinen zu lassen, wie sie es in der achten schafften.

Die abschließende zehnte Sonate, das wohl problematischste Werk des gesamten Zyklus, bleibt blass. Zimmermann hat zwar betörende Farben für die beinahe impressionistischen Klangflächen, doch die schroffen Gegensätze in dieser sehr freien Komposition interessieren ihn kaum. So kommt das Werk weichgespült daher. Was die beiden an dieser Sonate interessiert, außer dass sie eben zum Zyklus gehört, bleibt im Dunkeln.

0 Kommentare

Neuester Kommentar