Special : Is’ ja ooch schön hier

"In Berlin": Der Kameramann Michael Ballhaus, lange Zeit in Berlin und Los Angeles zu Hause, ist nun ganz in seine Heimatstadt zurückgekehrt und hat mit seinem in Buenos Aires geborenen Kollegen Ciro Cappellari die Stadt porträtiert.

Daniela Sannwald

„Berliner lächeln selten und sind niemals herzlich“, konstatiert der DJ; „Unter den Linden fühlt man sich wie in einem Märchenbuch“, findet der Architekt; „Berlin charakterisiert die Abwesenheit von Schönheitssinn“, schreibt der Dichter. Allen gemeinsam ist, dass sie Berlin lieben, weil es Raum für jede Art von Aktivitäten, Abweichungen, Allüren bietet, weil, so formuliert es der Musiker, die Berliner Mentalität tolerant und humorvoll sei.

Der Kameramann Michael Ballhaus, lange Zeit in Berlin und Los Angeles zu Hause, ist nun ganz in seine Heimatstadt zurückgekehrt und hat mit seinem in Buenos Aires geborenen Kollegen Ciro Cappellari die Stadt porträtiert. Entstanden ist ein sommerlich-heiterer Film über eine Stadt, die so gern Metropole sein möchte und es doch nicht so richtig ist, was nur zum Teil mit ihrer komplizierten Geschichte zu tun hat.

Ballhaus und Cappellari zeigen Berlin von oben, mit seinen breiten Schneisen, Wasserstraßen und Grünflächen, und sie nähern sich der Stadt aus der Sicht einiger Gesprächspartner, die sich – vom Kioskbesitzer bis zum Außenminister – allesamt unkompliziert und kommunikativ präsentieren. Die freundliche Neugier, mit der die Filmemacher ihren Gesprächspartnern begegnen, wird ihnen zurückgespiegelt; fast könnte man meinen, in Berlin lebte man auf einer Insel der Seligen, wo der Regierende Bürgermeister sich freut, wenn er ein aufwendig renoviertes Treppenhaus betritt: „Is’ ja ooch schön hier ...“

Dass Ballhaus und Cappellari versierte Kameramänner sind, zeigt sich jedoch vor allem in der Auswahl der Schauplätze und Perspektiven. Der legendäre „Tresor“ ist ein geheimnisvolles Labyrinth; der Blick von der zukünftigen Terrasse des Stadtschlosses wahrhaft königlich. Wenn man – Berlin-typisch – ein bisschen nölen will, könnte man den beiden vorwerfen, dass die östlichen Stadtteile ein bisschen zu kurz kommen. Mehr aber auch nicht. Daniela Sannwald

13. 2., 21.45 Uhr (Cinema Paris), 14. 2., 22.30 Uhr (Babylon Mitte)

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