Special : Meister, Moneten, Macht

Trotz üppiger Ausstattung ist "Empire of Silver" keines jener prahlenden Kampf- und Kostümfeste, wie sie der chinesische Historienfilm der letzten Jahre bevorzugt hervorbrachte

Sebastian Handke
Silber
Hao Lei und Aaron Kwok.Foto: Berlinale

Sie konnten sich nicht scheiden lassen, durften keine Geliebte haben, Bordellbesuche waren verboten. Und ihre Frauen sahen sie nur alle drei Jahre zur Erbenproduktion. In den Dynastien der piaohao herrschten strenge Regeln. Die Provinz Shanxi war so etwas wie die Wallstreet des alten China. Hier lebten Bankiers zurückgezogen in geheimen Machtzentren und kontrollierten mehr als 100 Jahre lang mit ihren Silberreserven den Geldfluss und die Finanzen des Landes. Für die Ming-Dynastien waren sie Konkurrenten und unverzichtbare Geschäftspartner. Als sie von der Revolution hinweg gefegt wurden, blieb von den piaohao kaum eine Spur.

Die Regisseurin Christina Yao nutzt dieses unbekannte Kapitel chinesischer Geschichte für ihren Film „Empire of Silver (Baiyin Diguo)“. Es ist das Jahr 1899. Vier Söhne hat Bankenfürst Kang, doch ausgerechnet seinen Drittgeborenen muss er zum Nachfolger machen. Dieser „Dritte Meister“ hält nichts vom harten Geschäftsgebaren seines Vaters. Schlimmer noch: Er und seine junge Stiefmutter lieben sich. Er sucht daher Zuflucht in der Wüste Gobi. Als die Familiendynastie aber in den Wirbeln von Boxeraufstand, Alliier ten invasion und den Vorausläufern der Revolution ins Wanken gerät, muss er das Erbe seiner Vorfahren retten.

Trotz üppiger Ausstattung ist „Empire of Silver“ keines jener prahlenden Kampf- und Kostümfeste, wie sie der chinesische Historienfilm der letzten Jahre bevorzugt hervorbrachte – etwa von Zhang Yimou („Der Fluch der goldenen Blume“) oder Chen Kaige („Wu Ji“). Statt dessen zeigt Christina Yao ein weitschweifiges, aber realistisches Familienepos über den Niedergang einer Dynastie vor historischer Kulisse.

Yao will ihren Film auch als Kommentar zum Bankenskandal verstanden wissen: Die Ränkespiele der „CEOs“ von Shanxi zeigt sie als Konfrontation chinesischer Philosophien – Konfuzianismus vs. Legalismus. „Geschäfte machen“, sagt der dritte Sohn, als er das piaohao schließlich in eine Volksbank verwandelt, „bedeutet nichts anderes, als sich zu benehmen wissen.“

13. 2., 23 Uhr (Babylon-Mitte)

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