Spectrum Concerts in Berlin : Leichte Brise

Die hochkarätige Kammermusikreihe Spectrum Concerts stand nach 25 Jahren bereits vor dem Aus. Jetzt feiert sie tatsächlich die 27. Saison mit fünf Abenden. Darunter mit Ursula Mamlok, die ihr neues Werk vorstellt.

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Der Klarinettist Lars Wouters van den Oudenweijer.
Subtiler Solist: Der Klarinettist Lars Wouters van den Oudenweijer begeisterte besonders in Oliver Messiaens "Quatuor pour la fin...Foto: M. Borggreve / promo

„Mir war es immer wichtig, so viel möglich so kurz wie nötig zu sagen“ erklärt Ursula Mamlok im Gespräch mit ihrem Biografen Habakuk Traber. Tatsächlich ist die Schreibweise der 92-jährigen Komponistin immer reduzierter, dadurch auch immer klarer und nachvollziehbarer geworden. „Breezes“ heißt ihr neuestes Werk, das Alexander Sitkovetsky (Violine), Hartmut Rohde (Viola), Jens Peter Maintz (Violoncello), Lars Wouters van den Oudenwejer (Klarinette) und Naomi Niskala (Klavier) bei den Spectrum Concerts im Kammermusiksaal aus der Taufe heben. Der Titel lässt sich mit „Brise“ oder „Lufthauch“ übersetzen, aber auch mit „Kinderspiel“, und wie beim „Fürchtenmachen“ aus den Schumannschen „Kinderszenen“ fährt in eine scheinbare Harmonie „furioso“, eine plötzliche, die gesangliche Melodik durcheinanderwirbelnde Bewegung herein.

Spannungsvoll beginnt und schließt das mit einem durch die Instrumente wandernden hohen „E“, das engräumig zu einer Viertonfolge erweitert wird. Das virtuos und klangschön ausgeführte Werk bringt ihr Standig Ovations ein. Noch bezwingender im Sinne der inhaltsreichen Knappheit ist vielleicht „Above clouds“ für Viola und Klavier (Holger Groschopp), das im Wechsel spannungsgeladener Ruhephasen und heftiger Ausbrüche an den frühen Webern erinnert.

Oliver Messiaen führt zum bewegenden Höhepunkt des Konzerts

Erst vor einigen Jahren kehrte Mamlok aus den USA in ihre Geburtsstadt Berlin zurück, aus der sie 16-jährig fliehen musste. Das war 1939. Zwei Jahre später schrieb Olivier Messiaen in deutscher Kriegsgefangenschaft sein „Quatuor pour la fin du temps“. In einer ebenso fulminanten wie subtilen Ensembleleistung – aus der Lars Wouters mit unendlich meditativem Klarinettensolo noch hervorsticht – wird es zum bewegenden Höhepunkt des Konzerts, das John Harbisons „Variationen“ von 1982 mit gewitzter Klangfantasie einleiten.

Die kommenden Spectrum-Konzerte versprechen nicht weniger spannend zu werden. Nachdem die hochkarätige Kammermusikreihe zum 25-jährigen Jubiläum vor dem Aus stand, wird jetzt tatsächlich die 27. Saison mit fünf Abenden stattfinden. Highlight wird ein umfangreiches Erwin-Schulhoff-Projekt sein sowie ein „Abend für Kosovo“. Hier handelt es sich um ein neues „Standbein“ des Spectrum-Ensembles, das den bisherigen Schwerpunkt der „transatlantischen Brücke“ nach Osten ausweitet.

Studenten der Musikschule Prizren sollen im Spectrum-Ensemble spielen

Bereits zweimal wurden Kurse und Konzerte an der Musikschule Prizren gegeben, der Film „Sehnsucht Musik“ gedreht und ein Festival für das nächste Jahr geplant – ein Hoffnungszeichen für die immer noch von Europa abgeschnittene, schwer an den Wunden des Krieges leidende Region. Nun wird es möglich, Studenten der Musikschule Prizren nach Berlin zu holen und im Spectrum-Ensemble auftreten zu lassen. „Es muss immer weitergehen“ ist das Credo des Frank Dodge, das sich auch hier wieder einmal erfüllt.

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