Kultur : Speisung der Fünftausend

Das Cervantes-Institut eröffnet in Berlin seine größte Niederlassung in Europa

Michael Schultheiss

Auf dem Dach werden gerade die großen roten Lettern montiert. Zwischen den Worten Instituto und Cervantes prangen zwei gedrehte T, sie sollen die beiden Kontinente repräsentieren, auf denen spanisch gesprochen wird. Darüber die Tilde des Buchstabens ñ, das soll die beiden Enden verbinden. In dem Gründerzeitbau, einem ehemaligen Kaufhaus in der Rosenstraße, sind die Arbeiten zur Eröffnung noch im Gange. Und weil die Buchstaben nicht richtig auf das Dach passen wollen, muss der neue Direktor des Berliner Institutes selbst noch einmal nach dem Rechten schauen. José Ignacio Olmos bleibt ruhig, seit Dezember arbeitet er mit seiner 22-köpfigen Crew in Berlin, um auf fast 3000 Quadratmetern das größte spanische Kulturinstitut Europas aufzubauen. Es ist das dritte in Deutschland. Bis 2005 sollen in der deutschen Hauptstadt 5000 Studenten ihren Spanischunterricht am Cervantes-Institut bekommen, 400 sind bereits eingeschrieben. „Es ist sicher nicht zu optimistisch, die 5000 in zwei Jahren zu erreichen“, sagt José Ignacio Olmos. Schließlich habe sich die Nachfrage nach Spanisch als Fremdsprache in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Neben den Sprachkursen, sind Konzerte, Lesungen und Diskussionen in Berlin geplant.

Heute soll die offizielle Eröffnung des Instituto Cervantes mit dem spanischen Kronprinzen Felipe stattfinden. Das Cervantes-Institut ist das spanische Pendant zum Goethe-Institut, auch wenn es um einiges kleiner ist. 38 Niederlassungen hat das Cervantes-Institut weltweit, noch in diesem Jahr sollen es 40 werden. Das größte befindet sich in der marokkanischen Stadt Tanger. Zum Vergleich: Das deutsche Goethe-Institut Inter Nationes hat weltweit ein Netzwerk von 141 Niederlassungen. José Ignacio Olmos bewundert das Goethe-Institut. Nicht nur, dass es perfekt organisiert sei. „Man darf nicht die Rolle vergessen, die das Goethe-Institut zur Zeit der Diktatur in Spanien gespielt hat. Dort wurden mit großem Mut Debatten organisiert. Es war immer ein Ort der Freiheit“, erklärt Olmos. Zur Zusammenarbeit mit den deutschen Kollegen hat Olmos jetzt reichlich Gelegenheit. Am Montag wurde in der Rosenstraße neben einer Vereinbarung mit der FU Berlin, ein Kooperationsvertrag zwischen Goethe-Institut Inter Nationes und Cervantes-Institut unterzeichnet. Goethe-Generalsekretär Joachim-Felix Leonhard und der Direktor der Madrider Cervantes-Zentrale Jon Juaristi besiegelten die Zusammenarbeit. Das erste große Projekt ist in Stockholm geplant, hier sollen beide Kulturinstitute unter einem Dach residieren.

Zur Eröffnung in Berlin haben sich neben dem spanischen Kronprinzen, Bildungsministerin Bulmahn, Kulturstaatsministerin Christina Weiss, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und die Präsidentin des Goethe-Institutes Jutta Limbach angekündigt. Am Mittwoch wird der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa die nach ihm benannte Bibliothek einweihen, am Donnerstag liest Jorge Semprún aus seinem neuen Buch, am Freitag lädt das Cervantes-Institut zum Tag der offenen Tür. Unter anderem ist eine Werkschau mit Arbeiten von Picasso, Miró und Tàpies zu sehen.

Für Direktor José Ignacio Olmos ein gutes Omen, dass die Bibliothek nicht von einem spanischen Schriftsteller eröffnet wird, sondern von einem peruanischen. Das symbolisiere die Vielfältigkeit der Kultur der spanischsprachigen Welt. Bis dahin sollten auch die Buchstaben richtig sitzen.

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