Kultur : Spezialitätensalon

Tagesseite, Nachtseite: Jubiläum in der Galerie Brusberg

Ulrike Nürnberger

Mit der Ausstellung „merzSalon: Berlin…“ feiert die Galerie Brusberg ihr 20-jähriges Jubiläum am Standort Kurfürstendamm und bietet mit kostbaren Leihgaben und Exponaten aus der eigenen Sammlung nicht nur einen Überblick über die Arbeit der letzten 20 Jahre, sondern ist auch als Statement von Dieter Brusberg zu verstehen über die Kunst und das Kunstsammeln schlechthin. Als der Kunsthändler Dieter Brusberg 1982 von Hannover nach Berlin übersiedelte, erhoffte er sich eine noch größere Öffentlichkeit und damit den Anschluss an den internationalen Kunstmarkt. „Die Metropole Berlin wirkt noch heute wie ein Multiplikator“, sagt Brusberg.

So ist die Ausstellung auch eine Hommage an die Berliner Künstler: Zum Auftakt hängen Collagen der Dada-Künstler Hannah Höch (3800 - 30 000 Euro) und Erwin Blumenfeld (12 800 - 38 500 Euro). Das Ausstellungskonzept von Resümee und Ausblick kommt zur vollen Entfaltung im zweiten und schönsten Raum der Ausstellung. Erst während der Hängung, so verrät der Galerist, ergab sich eine Teilung des Raumes in eine Tages- und eine Nachtseite. Der gebürtige Berliner Michael Kutzner versinnbildlicht mit seinen dunklen, mumifizierten Totenleibern aus der Schattenwelt der italienischen Katakomben die Nacht und den Tod (6500-12 000 Euro). Ihnen gegenüber strahlen die zarten Pastellgemälde des aus Florenz stammenden Neuberliners Fausto Faini. Hinter seinen Bildern stehen Kompositionen und Bildmotive alter Meister (4800-10 000 Euro), wie etwa in der Arbeit „Sogno“, die ein in weiß gekleidetes junges Mädchen am offenen Fenster darstellt. Die Geste der zum Gruße erhobenen Hand – ein Zitat des christlich-mittelalterlichen Themas „Mariae Verkündigung“ – erinnert an die meditativen Bilder von Fra Angelico.

Sowohl Kutzner wie Faini stehen für die neue Malergeneration in der Galerie Brusberg. Und sie können sich durchaus gegen die hochkarätigen Werke der Klassischen Moderne behaupten, die an farblich abgesetzten Wänden hängen. Magrittes zauberhaftes Gemälde „La magie noire“ (Leihgabe) prunkt neben dem großen Bronzerelief „La nuit (grande)“ (160 000 Euro) von Henri Laurens, dessen Pendant bereits mit einer anderen Nacht-Skulptur nach Amerika verkauft wurde. Zu seiner kleinen, bemerkenswert frühen Gouache „Nu assis“ von 1926 (75 000 Euro), gesellen sich fünf weitere, sehr schöne Frauenakte (Leihgaben), die aus der ehemaligen Sammlung P. Matisse, New York, dem Sohn von Henri Matisse, stammen. Mit diesen kapitalen Werken erinnert Brusberg daran, wem er den Erfolg verdankt, der es ihm heute erlaubt, noch unbekannte Künstler zu fördern.

Der letzte Raum ist überwiegend der „Nachkriegsmoderne“ vorbehalten. Exemplarisch sind die Lithographien aus der „Berlin“-Mappe von Werner Heldt (jeweils 2500 Euro) und die Aquarelle von Ludwig Gabriel Schrieber (2500-3000 Euro). Harald Metzkes ist mit vier Ölbildern vertreten (5 000-22500 Euro), darunter das beeindruckende Großformat „Komödianten mit Neufundländer“. Ihn vereint mit allen anderen Künstlern der Galerie das Festhalten am Figürlichen. Kutzner setzt als jüngster Vertreter diese Tradition fort. Dies ist im Sinne des Galeristen, der gerade darin eine Zukunftsperspektive sieht.

Kurfürstendamm 213, bis 23. November; Dienstag bis Freitag 10 - 18 Uhr 30, Sonnabend 10-14 Uhr.

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